Mehr Wumms

Frankfurt: René Pollesch «Je t’Adorno – Etikettenschwindel gibt es nicht» (U) im Schauspiel (Bockenheimer Depot)

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Mit einem «Wumms» durchbricht eine Straßenbahn die Kartonwand, auf der gerade noch eine Projektion flimmerte, und das Fahrzeug wird zum Projektil, mit dem die Schauspieler erstmal das Bühnenbild zusammenfahren. Es rollt also wieder eine Tram durch das ehemalige Straßenbahndepot an der Bockenheimer Warte, eine Straßenbahn namens Sehnsucht. «Desire» steht auf den Flanken des Vollholzgefährts. Zum zweiten Mal inszeniert René Pollesch nun am Schauspiel Frankfurt, und den Titel kann man sich auf der Zunge zergehen lassen: «Je t’Adorno» wie «Je t’adore», «Ich verehre dich».

Unweit des Depots hat der Kopf der Frankfurter Schule residiert, im Institut für Sozialforschung. Das Titelversprechen bleibt jedoch leer: Theodor W. Adorno ist bloß eine Randfigur, verpackt in einige Anekdoten und etwas Lokalkolorit.

Zweierlei ist Sport geworden im Pollesch-Gucken. Erstens: Seine in Serie verfassten Stücke, in denen sich Themen in Variationen fortschreiben, als Temperaturfühler der Gegenwart zu lesen: Wo sind wir? Und zweitens: Wie findet sich das jeweilige Ensemble im Pollesch-Universum zurecht – vor allem außerhalb Berlins? Arbeiten Schauspieler doch tagtäglich in einem Repräsentations­system, das ...

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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Esther Boldt

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