Farbwechsel
Im ersten Moment meint man, sie schauten einen an. Und doch ist es vielmehr der eigene Blick, der irritiert. Der Blick auf drei Dutzend schwarze Schaufensterpuppen, die während der gesamten Aufführung von «Schande» nach dem gleichnamigem Roman des südafrikanischen Literaturnobelpreisträgers John M. Coetzee unbeweglich auf der Bühne der Münchner Kammerspiele stehen. Bühnenbildnerin Katrin Brack hat sie dort postiert, einzeln und in Grüppchen, Männer, Frauen, Kinder, in Alltagsklamotten, auch ein paar Hunde sind dabei, wie bei einer eingefrorenen Straßenszene.
Eine latente Provokation, zwei Stunden lang. Sind wir so? Nehmen wir schwarze Menschen als stereotype Statisten wahr? Luk Percevals Inszenierung suggeriert das, und im Laufe des Abends wirkt diese aufoktroyierte Verunglimpfung zunehmend ernüchternd, auch wenn später noch drei schwarze Schauspieler in entsprechenden Rollen live auftreten.
Doch die Zentralperspektive bleibt eine weiße, und im Fokus steht wie im Roman der in Ungnade gefallene Universitätsprofessor David Lurie, durchaus kein sympathisches Exemplar seiner Klasse, den die beiläufige Affäre mit einer Studentin nicht nur den Job kostet, sondern in der Folge auch sein ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Silvia Stammen
Personen
Dora, die Assistentin
Hospitantin ohne Namen
Hermann Schwinder, ein älterer Herr
Martin Neumann, ein jüngerer Mann
Sophie Sikora, eine Frau um die 30
0
DER BISWEILEN LEERE RAUM
Eigentlich sollte dieser Raum leer bleiben
Dass er sich fülle erst im Verlauf der Zeit
Mit den Blicken der Betrachter
Und Erwartungen aus anderen Zeiten
Die in Widerstreit...
Letztes Jahr war Kathrin Röggla Stadtschreiberin in Mainz, und da ist ein Thema wie Fluglärm genau richtig platziert. In manchen Stadtteilen der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt donnern Flugzeuge des benachbarten Fraport so anschmiegsam über die Eigenheime, dass man von einer Lärmenteignung sprechen könnte. Dagegen steht: Viele derer, die in den Ab- und...
Mit seinen 35 Jahren ist Shenja Lacher schon mächtig rumgekommen und hat praktisch an allen Rändern Deutschlands gekratzt. Von der Rostocker Schauspielschule im hohen Nordosten ging es zum Erstengagement nach Zittau ins tschechisch-polnische Dreiländereck. Dann nach kurzer Stippvisite in der Mitte, in Mannheim, weiter in den äußersten Nordwesten nach Oldenburg. Und...
