Geld verdirbt den Charakter

Die soziale Welt ist in Bewegung, doch die Berliner Theaterleiter Thomas Ostermeier und Frank Castorf treten mit «Fräulein Julie» und «Die Marquise von O ...» künstlerisch auf der Stelle

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Ganz Charlottengrad ist auf den Beinen. Mit Pelzkrägen, High Heels und Dekolletés, die tief zwischen hochgeschnürte Brüste blicken lassen. Mit Kussmündern, vielleicht nachgespritzt, und reichlich blauem Lidschatten. Überhaupt, mit Farbe! Kurvenschmeichelndes Grün, frivoles Pink und leuchtendes Sonnengelb, passend zur nachtschwarz gefärbten Haarpracht. Dazu bonbonfarbene Handtaschen, in Gold gefasste iPhones, funkelnde Brillianten.

Ein Paradiesvogelschwarm hat das sonst eher gedeckt-gedämpfte Foyerleben der Berliner Schaubühne aufgescheucht und in einen Ort der Sinnenfreude und des Überschwangs verwandelt. Mitgeschleift aussehende Männer stehen dazwischen wie Bremsklötze herum und lassen ihre Begleiterinnen umso glanzvoller erstrahlen. Anlass des ungewohnten Auftriebs: das Moskauer Gastspiel von Strindbergs «Fräulein Julie», dortselbst im Januar inszeniert vom Intendanten der Schaubühne, Thomas Ostermeier.

Im Mercedes auf die Probe

«Schauspieler, besonders die berühmten, ge­nießen in Russland immer noch einen besonderen Status. Sie werden von ihrem Publikum abgöttisch geliebt», hat Ostermeier kürzlich, zurückgekehrt von den Proben im Moskauer Winter, der Berliner Wochenzeitung ...

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Theater heute April 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 11
von Eva Behrendt

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