Hinter Glas
Die Sonne scheint. Das Alpenpanorama leuchtet, freudig läuft der Hund vorneweg, wackelig auf wenig bergtauglichen Schuhen folgt ihm die Frau. Und dann ist da plötzlich – nichts. Ein Nichts, das ein Ende ist. Es geht nicht weiter, obwohl die sich hinabschlängelnde Straße ins Weite zu führen scheint. Denn da ist die unsichtbare «Wand».
In Julian Pölslers gleichnamigem Film nach Marlen Haushofers fast 50 Jahre altem Roman ist sie ein kaum wahrnehmbar anschwellender Ton und eine Fassungslosigkeit im Gesicht von Martina Gedeck.
Mit den Händen tastet sie die gläserne Wand ab, die jetzt die Rückseite der Leinwand zu sein scheint, wir schauen auf die Handinnenflächen und spüren die Undurchdringlichkeit. Die atemberaubende Bergwelt wird danach zum lichtdurchfluteten, schneedurchwehten, regendurchnässten Gefängnis, und Martina Gedeck wird sich stumm und entschlossen in dieser alternativlosen Natur mit ihren Gefahren und Kreaturen einrichten und ein wenig selbst Kreatur werden. Ganz geht es ja nicht, weil da dieses Denken ist, gegen das sie anschreiben muss: den Bericht eines Überlebenskampfes für fast nichts, für einen kleinen Hund, eine große Kuh, für das Leben selbst vielleicht, das doch ...
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Theater heute April 2012
Rubrik: Akteure, Seite 51
von Barbara Burckhardt
Wenn vom 19. Mai bis zum 9. Juni in Mülheim das Best of deutscher Dramatik in seine
37. Runde geht, wird man tiefe Einblicke in die Keimzelle der Gesellschaft nehmen können:
Das Familienstück ist wieder da. Im ganz großen Stil und Rückblick in Peter Handkes Slowenen-Saga «Immer noch Sturm» (Thalia Theater Hamburg, Regie Dimiter Gotscheff), in den ganz engen Wänden...
Was für eine nette Gesellschaft: kein einziger guter Mensch. Während der alte Familienpatriarch, seit Jahren ein Spieler und Säufer, im Nebenzimmer verröchelt, entbrennt vorn im Salon der Kampf ums Erbe. Dabei ist jedes Mittel recht. Es wird gedroht und intrigiert, bestochen, betrogen, erpresst, spioniert, gefälscht, eingeschüchtert und am Ende sogar gemordet....
Das HAU ist ein schwer festzunagelndes Lieblingstheater. Eines seiner Vorgänger in dieser Kategorie, die Berliner Volksbühne, war da deutlich leichter zu fassen mit ihrer Aura aus Arroganz, Exzentrik und Rock’n’Roll. Man konnte sich buchstäblich wärmen an diesem oft mit einem Panzerkreuzer verglichenen Haus, von dem der ehemalige Volksbühnendramaturg Matthias...
