Foto: Silke Winkler/Theater Schwerin
Schwerin: Jetzt wird’s schön
Eine Idylle. Der See, Schilf, sandiges Ufer. Und Bierbänke, zerfledderte Lampions, ein umgeworfener Ledersessel. Der See ist immer noch einsam, still, idyllisch, aber es ist eine angeknackste Idylle, die Sebastian Hannak realistisch ins Mecklenburgische Staatstheater gebaut hat. Fürstenfelde, Uckermark, «einfach über den Acker», beschreibt Dorfschönheit Anna (Hannah Ehrlichmann) den Weg, «da steht ein Schild ‹Jetzt wird’s schön›, dann wird’s schön.»
Saša Stanišics Roman «Vor dem Fest» war 2014 die Beschreibung eines Dorfes, das von der Welt vergessen schien.
Stanišic recherchierte in Fürstenwerder, einem 800 Einwohner zählenden Flecken im Nordosten Brandenburgs, und destillierte aus seinen Erfahrungen die Nacht vor dem jährlichen Dorffest, wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind und die Menschen sich vorfreudig in eine aufgeregte Schlaflosigkeit hineinsteigern. Ergebnis: ein von kritischer Sympathie getragenes Bestiarium, ästhetisiert, gebrochen, im Verlauf zunehmend mythisch überhöht.
Der Schweriner Schauspielchef Martin Nimz bezieht diesen uckermärkischen Mikrokosmos für seine Stanišic-Uraufführung konsequent aufs Theater: Im Roman «Vor dem Fest» gibt es keinen tragenden ...
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Theater heute November 2017
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Falk Schreiber
Fast eine Stunde dauert es in Falk Richters Stückentwicklung «Verräter», die auf den autobiografischen Erfahrungen seiner Schauspieler*innen fußt, bis Cigdem Teke endlich zu Wort kommt. Dann allerdings bricht ein Orkan los, der sich so schnell nicht mehr bremsen lässt. Vom Besuch in Angkor Wat mit Lebensgefährtin und kleinem Sohn mäandert es übergangslos zu Frau...
Inzwischen läuft die Form verdächtig rund: Man nehme eine marginalisierte Gruppe, sammle dann die negativen Zuschreibungen und einschlägigen Klischees, verbinde das Ganze mit einer Prise persönlichem Soulsearching der beteiligten Schauspieler und Projektmitglieder, füge ein paar beispielhafte Spielsituationen hinzu, wende alles in überlegener Ironie, würze mit...
Zeitgenössisches Ausstellungsdesign ist in der Regel so innovativ wie gemeißelte Grabsteine. Schräge oder gerade Wände, bunte oder gedeckte Hintergrundfarbe, helle oder dunkle Beleuchtung, viel oder wenig Text, das sind die berauschenden Alternativen für die Installation von Kunst in deutschen Museen. «I am a problem», der Titel der aktuellen Sammlungspräsentation...
