«Er ist mein Vater»

Dennis Kellys «Die Götter weinen»

Theater heute - Logo

Es war einmal eine Epoche, die man heute als die Aufklärung bezeichnet. Die hatte, lange bevor ihre Ära endlich anbrach, literarische Wegbereiter. Das waren eben jene
Bösewichte Shakespeares, rücksichtslose Söhne und verderbte Töchter, die sich provokativ gegen Denkverbote auflehnten und so die herrschende Weltordnung nicht nur in Frage stellten, sondern kurzerhand und nachhaltig erschütterten. Ist eben diese Aufklärung, die den Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit und dem Einfluss kosmischer Gesetze befreit hat, heute, im 21.

Jahrhundert, überhaupt noch zu retten? Oder sind wir Verlorene? Bei dem britischen Autor Dennis Kelly sind die Menschen bereits verloren, bevor die Gewalt in ihr Leben einbricht und sie sich noch in ihren kulturellen Sicherheiten geborgen glauben. 

Mit seinem neuen Stück «Die Götter weinen», das im März diesen Jahres in London uraufgeführt wurde, erzählt Kelly zunächst einmal ein modernes Märchen in einer globalisierten Welt über einen Mann im besten Alter, der den unbesonnenen, nicht rational zu begründenden Entschluss fasst, sein Unternehmen auf die nachwachsende Generation zu verteilen. Kelly gibt diesem Wirtschaftsmagnaten den irischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 182
von Beate Heine

Vergriffen
Weitere Beiträge
Minimale Flächen, maximale Belastung

Man kann das «Diebe»-Bühnenbild von Andreas Kriegenburg, dem Bühnenbildner des Jahres, theaterkritisch beschreiben als mächtiges Szenen-Mühlrad, das Dea Lohers Menschen unerbittlich vor sich her treibt. Man kann die riesige Konstruktion aber auch als technische
Herausforderung beschreiben, wie Dr. Gabi Högg von der ausführenden Bühnenbau-Firma Hoag in Moers: «Das...

Katerstimmung im Rheinland

Die Götter sind oben, die Menschen sind unten, und in der Tiefe der Erde, die Toten und die Verdammten, Olympos und Tartaros, Himmel und Hölle: Seit Jahrtausenden existiert diese vertikale Vorstellung der Welt. Ebenso alt wie dieser Mythos ist das Bild der Bestrafung. Der Sturz: Fall der Körper, aus verschiedener Höhe, versteht sich, aus der Macht, aus dem Leben,...

Jenseits des Offiziellen

Es gibt eine Spur in der deutschen Dramatik, die ins Dunkle zieht. Auf ihr kann man den «Schattenwesen» begegnen. Unruhige, schemenhafte Gestalten, gebückt oft oder zusammengekauert, in Angststarre gebannt oder auf der Flucht. Büchners Woyzeck, Hauptmanns Mutter Wolffen oder Bruno Mechelke aus den «Ratten» sind solche Gestalten. Ihre Autoren erzählen von Menschen,...