Umgekehrter Marshallplan
Der Kulturaustausch beginnt mit einem hellgrün lackierten Schulbus, der vor das New Yorker Off-Spielhaus P.S. 122 vorfährt. «Road Theater USA» verkündet das solide Vehikel der deutschen Theatergruppe GTA (kurz für «German Theater Abroad») in selbstbewussten Großbuchstaben. Zwei Monate lang soll es die Ensemblemitglieder 6ooo Meilen weit und über 23 Zwischenstationen quer durch Amerika transportieren. Drei enthusiastisch aus dem Bus springende Schauspieler verteilen bei der New Yorker Premiere erst einmal Deutschlandfähnchen unter den wartenden Zuschauern.
Roland Schimmelpfennig hat eigens für diese Theaterexpedition das Stück «Start Up» verfasst, das das durchaus romantische Anliegen des GTA selbstironisch widerspiegelt. Die bettelarmen Kreativen Kati (Lisa-Marie Janke), Rob (Nils Nelleßen) und Micha (Nicolai Tegeler) versuchen darin, ein deutsches Theaterhaus in der amerikanischen Provinz zu gründen und mieten zu diesem Zweck ein Ladengeschäft. Der Logik des amerikanischen Einwanderertraums folgend, wollen sie Kapital aus ihrer nationalen Identität schlagen. Der schwarze Hausbesitzer Ike hat für dieses zugleich utopische und unwirtschaftliche Unternehmen wenig Verständnis, fasst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Soll man Krankheit und Tod als Vorlage für eine chice Performance nutzen? Roger Vontobel lässt die Frage von Mark Ravenhills «pool (no water)» (abgedruckt in TH 06/07) um die vier Titel-Buchstaben kreisen (Bühne Claudia Rohner). Es geht um Eifersüchteleien und Gemeinheiten unter Künstler-Kollegen, um geheuchelte Zuneigung und das Siechtum der erfolgreichen...
Ein dünnes Rinnsal zackt quer über die Bühne von Barbara Ehnes. Düsteres Licht, sanftes Geplätscher, das in einem kleinen Vorbühnen-Schneerest versickert. Athen kann sehr kalt sein, und selbst die größten griechischen Helden frieren erbärmlich, wenn man ihnen die Sonne abdreht: Stephan Bissmeier zittert beschaulich auf kargem Holzschemel wie der alte Bauer, dem die...
In einer Hotelbar. Nach dem Besuch von «Faust 21», mit einem Jugendstilexperten aus München, ein zurückhaltender, vornehmer Engländer. Ich spielte im Bürgerchor mit. Wie war ich? Er sprach nur über Katja Bürkle. Sie hätte das Zeug zum Hollywoodstar. So gelenkig! So ausdrucksvoll! Wie sie sich in ihre Rollen hineinschmeißt! Katja Bürkle spielte einen Astrologen,...
