Der Besuch der alten Namen
Ein Hauch von Melancholie lag über diesen Wiener Festwochen. Kurz vor Beginn des Festivals hatte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny die neuen Intendanten vorgestellt (siehe TH 6/11), und obwohl Markus Hinterhäuser und Shermin Langhoff erst 2014 für das Programm verantwortlich sein werden, war der aktuelle Jahrgang damit zum ersten Akt eines langen Abschieds geworden: Ab sofort besucht man jede Aufführung der Festwochen, als wäre sie die letzte ihrer Art.
Wer weiß, was die Neuen bringen werden? Luc Bondy steht seit 1998 an der Spitze der Festwochen; zunächst als Teil eines dreiköpfigen Direktoriums, seit 2002 als Intendant. Schauspieldirektorin Stefanie Carp ist jetzt auch schon das fünfte Jahr im Amt. Da ist es logisch, dass sich im Lauf der Zeit eine Art Ensemble bildet: Bestimmte Künstler sind immer wieder bei den Festwochen zu sehen, einige fast jedes Jahr. Nicht wenige Kritiker und Besucher sehnen schon deshalb einen Wechsel herbei: Sie wollen neue Gesichter sehen.
Der Vorwurf, die Festwochen würden immer dieselben Namen präsentieren, ist einerseits nicht falsch, andererseits aber auch oberflächlich. Erstens ist das Reservoir an Spitzenkräften des Welttheaters nicht ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Festivals, Seite 20
von Wolfgang Kralicek
Erinnert sich noch jemand an den endlosen Strumpf, den Angela Winkler in Peter
Zadeks «Rosmersholm»-Inszenierung für Pastor Voss häkelte? – An der Berliner Volksbühne greift jetzt Annika Kuhl zu den Nadeln, um Peter Lohmeyers Rosmer zu bestricken – Regie führt, nach langer Theaterabstinenz, Leander Haußmann, und zusammen mit den Wiener Koproduktionen von Marthaler...
«Ein bleibendes Stück für die Theatergeschichte» möchte Peter Handke mit seiner im Jahr 1836 beginnenden Familiengeschichte «Immer noch Sturm» geschrieben haben. Und mindestens vier Stunden soll es dauern! Mal sehen, ob Dimiter Gotscheff diesen bescheidenen Wünschen bei seiner Uraufführung für die Salzburger Festspiele und das Hamburger Thalia Theater gerecht wird....
Wahrscheinlich geht es nur noch als Popsong: Wenn Lena Schwarz in den Bochumer Kammerspielen zur Jungfrau von Orléans anhebt, der Liebe und dem gesunden Landleben entsagt, um als eiserne Jungfrau mit höherer Botschaft Frankreich zu retten, dann steht sie links vorne an der Rampe, spricht und schnauft in ein Mikro, mischt sich selbst mit Echoschleife in einen...
