Zwischen Strich und Hiebe
Der Russe ist einer, der nicht nur Birken, sondern auch Zoff liebt. Seine sentimentale ist die eine Seite, die andere aber ist unberechenbar: Aus der Haut kann er fahren, wenn ihn das Fell juckt, das dann das einer Bestie ist. Wenn man ihn ärgert, den Russen, dann versteht er keinen Spaß mehr. So könnte es in einem Lexikon der Vorurteile und Pauschalisierungen zu lesen sein, so wird es einem aber tatsächlich im Mainzer Theater vorgeführt.
Der 1978 geborene, aus Wolgograd stammende Autor Alexander Moltschanow zeigt in seinem jüngsten Stück «Mörder» ein Trio Radikal im Russland des Jahres 1993, das in der Kampfzone zwischen geplatzten Träumen und verpassten Chancen im
turbokapitalistischen Minenfeld das Überleben und das Glück probt. Es sind Studenten, denen wir begegnen in einem harten Moskauer Alltag, der freilich kaum Zeit lässt, sich den schönen Künsten oder der Wissenschaft zu widmen, weil man zuallererst für seine blanke Existenz zu sorgen hat. Wenn Gott (oder die Partei) nicht mehr lenkt, dann hilft auch dem Menschen das Denken nicht mehr: Er muss kämpfen ums nackte Überleben. Folgerichtig findet eine Verrohung von Kopf und Herz statt, die einst gepflegte Gebildeten-Sprache ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2013
Rubrik: Chronik: Mainz, Seite 66
von Bernd Noack
Ein Gespenst geht um in Istanbul – das Gespenst des urbanen Widerstands und des Rechts auf Stadt, so wie der Sozialwissenschaftler David Harvey diese beiden Begriffe in seinem Buch «Rebellische Städte» bereits definierte. Seit 14 Tagen gehen mehr als eine Million BürgerInnen nicht nur in Istanbul sondern auch in vielen anderen Städten der Türkei auf die Straße und...
Der Traum von Astoria währte nur kurz. Wie eine Steueroase in der Karibik liegt der ideale Staat vor den beiden fliegenden Schauspielern, paradiesische Strände und eine menschenwürdige Gesellschaft erwarten sie dort. Fürsorge für die Armen und niedrige Abgaben für die Reichen – ein unmögliches Versprechen also und kein Wunder, dass die Illusion in sich...
Auf dem Hamburger Kampnagel-Gelände steht ein riesiger Sperrholzkasten: «Machina Recordatio», ein stilisierter Schalltrichter, aus dem brüchige Stimmen dringen. Unzählige Interviews sind das, mit alten Menschen aus Dresden, Berlin und Hamburg, und in der «Erinnerungsmaschine» lassen sie sich abrufen, geordnet nach Stichworten von «Abbauen» über «Frauengruppe» bis...
