Dezenz ist Schwäche
Den Zustand der Erregung, den Schauspieler beim Zuschauer, bei ihren Bewunderern und Verehrerinnen auszulösen vermögen, kenne ich vor allem aus meiner Berliner Studienzeit. Frustriert vom damals an der FU eigentlich nicht möglichen theaterwissenschaftlichen Studium, war ich Stammgast an Barlogs Bühnen, dem Schlosspark- und Schillertheater, pilgerte ich – soweit es die schmale Studentenkasse zuließ – ins Berliner Ensemble oder ans Deutsche Theater, die damals nur mit zusätzlichen Passierscheinkosten zu erreichen waren.
Ja, das war meine beste und begeisterndste Theaterzeit, weil es beste Schauspielerzeit war, deren stimmliche Vielfalt ich noch heute im Ohr habe: Martin Helds sarkastische Orgeltöne in Becketts Inszenierung von «Das letzte Band», Lieselotte Raus schwingend klare, betörend warme, ganz individuelle Sprechart, die Giraudouxs dramatische Poesie etwa in «Intermezzo» zum Klingen brachte, oder die elegante Brillanz, mit der Eva Katharina Schultz und Erich Schellow sich in Schweikarts «Der Menschenfeind»-Inszenierung dialogisch duellierten. Das machte süchtig! «Menschenfeind» habe ich vierzehn oder fünfzehn Mal gesehen, die anderen genannten Inszenierungen sicherlich auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Petra und Udo, die heimatlos Reisenden, die Maja während eines Aufenthalts in Brüssel wohl kennen lernte, tauchen nicht nur plötzlich ganz zwanglos bei Maja auf, sie werfen auch Fragen auf. Was zum Beispiel geschah mit Majas Chefin, die in der besagten Zeit auch in Brüssel war und seither verschwunden ist? Beauftragte die junge Frau die beiden mit dem Mord an ihrer...
Bernd Noack Herr Berg, wer in Linz aus dem Zug steigt, den erschlägt gleich in der Bahnhofsunterführung förmlich ein Plakat: «Kulturhauptstadt des Führers». Wird man auch auf den Bühnen, die im Rahmen des Festivals bespielt werden, Hitler herumwesen sehen müssen, oder wie soll dieses Stück Stadt-Vergangenheit bearbeitet werden?
Airan Berg Zunächst einmal: Es gibt...
Rosa lebt. Wie bei Che, dessen besternte Baskenmütze sie auf dem Plakat zur Vorstellung trägt, reicht hier der Vorname. Rosa Luxemburg: die Geschichte einer Legende. Das Grips-Theater begegnet der Mutter aller Revolutionen mit liebender Ehrerbietung. Station für Station eines leidenschaftlichen Lebens, 30 an der Zahl in dreieinhalb Stunden, haken Volker Ludwig,...
