Liebe? Lieber nicht
Ohne Liebe geht es nicht. Nicht mal auf das Wort kann man verzichten. Aber, was nur meint man denn damit? «What we talk about when we talk about love» ist Raymond Carvers berühmteste Kurzgeschichte. Zwei Paare erzählen sich darin, mit alkoholisierten Köpfen, Geschichten über die Liebe. Es sind vor allem Geschichten über Ex-Männer, Ex-Frauen. Eine Frau erzählt, wie sie ihren Ex-Mann betreute, nachdem er sich wegen ihr auf stümperische Weise umzubringen versucht hat, bis er dann schließlich doch starb.
Sie liebe ihn heute noch, beteuert sie, ohne das in Anwesenheit ihres jetzigen Mannes im Geringsten abzuschwächen. «Auf so eine Liebe kann man doch verzichten», meinen die anderen. Doch die Verluste sind es, die die Liebe spürbar machen. Die Liebe lebt von den Verletzungen, die sie zerstören.
Robert Altmann hat mit «Short Cuts» vorgemacht, wie man aus vielen kurzen, kleinen Carver-Geschichten von gewöhnlichen Leuten einen großen Film machen kann. Diese Idee hat die Schweizer Theaterautorin und Filmemacherin Sabine Harbeke vor zwei Jahren aufgegriffen und für das Theater nutzbar gemacht. Sie erfindet andere Geschichten, nutzt aber dasselbe Verfahren: Aus vier Carver-Miniaturen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Von Jovan Sterija Popovic (1806–1856) heißt es, er sei der serbische Nestroy. Seine bitter-ätzende Komödie «Die Patrioten» zeigt ein Häuflein untereinander zerstrittener Kleinbürger, von denen jeder den anderen für einen schlechten Patrioten hält, während es um Posten und Pfründe geht. Sterija muss nicht neu entdeckt werden, aber er hat gerade ein Doppeljubiläum...
Nachdem bereits im Vorfeld der WM deutsche Autoren scharenweise durchs bunt zusammengebastelte Fifa-Kulturprogramm geschleust worden waren – zumindest diejenigen, die sich nicht rechtzeitig durch ein kategorisches Nein aus der Schusslinie gebracht hatten –, war mit Überraschungen auf diesem Feld eigentlich nicht mehr zu rechnen. Umso dankbarer ist man den...
Die große Peer-Gynt-Sause kurz vor den Sommerferien bot eine gute Gelegenheit, mal wieder über den gigantischen Schrebergarten namens Berliner Freie Szene nachzudenken. Ist er in seiner enormen Größe (250 bis 300 kontinuierlich produzierende Gruppen) und Vielfalt (von der robusten Nutzpflanze über die neugezüchtete Rose bis hin zum düngenden Mist) nicht längst...
