Naked Punsch
Was von diesem Abend hängenbleiben wird, ist zweifellos das Geschlechtsteil von Lars Eidinger.
Kurz nachdem die Party, die die Choreografin Constanza Macras und der Regisseur Thomas Ostermeier unter dem Shakespeare-Motto «Sommernachtstraum» an der Schaubühne ausgerichtet haben, mit großem Begrüßungshallo, Punschausschank und Dancefloorbeat begonnen hat, schlüpft es nämlich, von Eidinger durch die Mundöffnung einer Maske gezogen, in die Rolle einer Zunge und schüttelreimt laut und vernehmlich: «Wir kommen heute/nicht allein zur Freude, Leute!»
Bei Shakespeare spricht diesen Prolog die kleine vertrottelte Handwerkerschar, deren Theateraufführung an Theseus’ Königshof den Auftakt zum Showdown macht. An der Schaubühne übernimmt diese Truppe nicht nur das Spiel im Spiel, sondern gleich den ganzen Laden. Ob Feenwesen es mit Eseln oder Königstöchtern treiben, ob junge Adlige sich kreuz und quer verlieben: Die Ostermeier-Spieler und Macras-Tänzer grabschen nach jedem Rollenmaterial, das sich ihnen in den Weg stellt, auch wenn es dazu führt, dass mitunter drei Oberons gleichzeitig auf der Bühne stehen.
Soziale Ebenen, verschränkte Handlung, raffinierte Auflösung? Alles schnurz. Text kommt ...
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