Joshua Brunner (Alex) in Simon Stephens «Morning» (2013), Regie Sebastian Nübling, am Jungen Theater Basel; Foto: Junges Theater Basel
Kein Ort für Sicherheiten
Gründungsmythen sind Überlebenskitt. Zumal für eine Theaterfamilie, die jahrelang ein Stadtnomadendasein führt, die unermüdlich Nachkommen heranzieht, Nestflüchtlinge ziehen lässt, und deren Energie sich aus der jugendlichen Rebellion gegen alles Institutionelle speist.
Der Gründungsmythos des Jungen Theaters Basel ist festgehalten auf einem Schwarzweißbild mit leichtem Grauschleier: Ein jugendlicher Ueli Jäggi jagt in voller Rollschuhfahrt über die Kleine Bühne des Stadttheaters, Luftballons umflattern ihn, den Orgasmus-Orgi aus der ins Schweizerdeutsche übertragenen Gripstheater-Produktion «Kasch mi gärn ha» (Originaltitel: «Was heißt hier Liebe»). Die Augen hat der Orgi wie im Rausch geschlossen, aus clownesk gestreiftem Strampelanzug staken Jeans und Turnschuhe, sein Arm ragt steil aus dem Bildrand. Es kommt etwas, er weiß nur noch nicht was; es geht voran, er weiß nur noch nicht wohin; aber wir schreiben das Jahr 1977, auf der Gasse sprießt eine autonome Suchbewegung, und die Jugendunruhen, die drei Jahre später die Schweiz erschüttern, müssen in der Luft gelegen haben.
Das Junge Theater Basel ist jetzt 40 Jahre alt. Es hat sich selbst zur vielfach preisgekrönten Institution ...
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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Bücher (12 17), Seite 48
von Stephan Reuter
Professor Bernhardi, Chef einer Wiener Privatklinik, sieht am Staatsschauspiel Dresden eher wie ein puristischer Medizin-Blogger aus. In Raiko Küsters Darstellung versendet die internistische Koryphäe praktisch aus jeder Pore die Botschaft, um wie viel näher ihr mental der Hoodie steht als der Smoking. Dieser personifizierte Hippokratische Eid thront ohne jede...
(Vespasian? Nein, nicht der! Cola di Rienzo? Der schon eher!
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Kein bisschen ist zu spüren vom Schrecken des Eises und der Finsternis in Jörn Klares Monodrama «Höhenrausch». Da schickt er einen Extrem-Bergsteiger hinauf in die absolute Einsamkeit, lässt ihn an Leib und Seele spüren, dass man ein Nichts ist in diesen Weiten und dieser schroffen Leere, über der die Endlosigkeit liegt – und der wackere Kletterer hat nicht viel...
