Mannsteufelei
Überraschenderweise hat dieser Hamburger «Baumeister Solness» sehr viel mit dem meisterhaften Wiener «Weibsteufel» zu tun, den Martin Kusej im Mai beim Berliner Theatertreffen zeigen durfte.
Dieselbe klirrende Kälte zwischen den Figuren, ein schneidend-klares Licht und ein die Menschen zwanghaft auf Distanz haltendes Bühnenbild von Martin Zehetgruber: Statt auf riesigen Baumstämmen wie im Karl-Schönherr-Stück in Wien balancieren die Menschen diesmal auf Zeichentischen und Architekturpappmodellen, und wieder sind sie so mit dem Stabilisieren ihres Gleichgewichts beschäftigt, dass ihnen für das zärtliche Betatschen oder gar das körperliche Attackieren ihrer Mitmenschen kein Raum und keine Zeit bleiben.
Traurigerweise geht dieses Beziehungsspiel zwischen Mann und Frau, das in der Wiener Version des Karl-Schönherr-Dramas eine flirrende Faszination besaß, in der Hamburger Ibsen-Adaption zwar nicht sang- und klanglos, aber doch ziemlich spannungsarm den Bach runter. Das liegt einerseits daran, dass es hier an einer tragenden weiblichen Akteurin wie Birgit Minichmayr fehlt. Julia Nachtmann als Kaja und Katharina Schmidt als Hilde Wangel sind das, was sich der Regisseur Kusej offenbar ...
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