Der Krieg in Kopf und Körper
Anna Jablonskajas «Familienszenen» handeln vom Krieg. Vom Kriegsheimkehrer Nikolaj, der als Offizier fünf Jahre an verschiedenen Krisenschauplätzen im Einsatz war und nun mit einem posttraumatischen Stresssyndrom in den Schoß der Familie, zu seiner Frau Irina und Sohn Wanja, zurückkehrt – Familienszenen.
Irina hat zwischenzeitlich eine Affäre mit Sergej, dem Biologielehrer ihres Sohnes, nachdem Tolik und Ruslan schon lange Geschichte sind: Ich bin dreißig! Ich bin eine normale Frau! Andere brauchen das vielleicht nicht, aber ich kann nicht
ohne! Soll ich vielleicht alle fünf Jahre mal mit einem Kerl schlafen? Oder mich aufhängen?
Irina nimmt sich, was sie braucht, und bleibt immer bei sich. Auch wenn dieses «bei sich» ein weites Feld umfasst. Sie gibt nur, was sie geben will und schert sich nicht um Vollkommenheit. Ihrem 12-jährigen Sohn Wanja gegenüber ist Irina hilflos. Wanja kapselt sich ab; ein Stock, mit dem er sämtlichen Gegenständen seinen Rhythmus aufdrängt, ist seine Waffe. So hält er sich alles vom Leib, dem Leib, den er noch nicht entdeckt hat.
Mit der Rückkehr des Vaters verändert sich das labile Gleichgewicht; Liebhaber Sergej muss weichen, Irina schickt ihn ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 181
von Bettina Hering
Von allem das Beste! 44 Kritiker haben wie jedes Jahr gedacht, gerungen, mit sich gekämpft, alle ästhetischen Maßstäbe geprüft und wenn nötig gesprengt, die sensiblen Nerven bis zur völligen Erschöpfung strapaziert, um zum Saisonschluss als letzte herkulische Anstrengung Bilanz zu ziehen, schwierigste, persönlichste und gleichzeitig allgemein gültigste...
Das Bedürfnis, in einen Raum treten zu können, der einen umfasst und umschließt. Eine Art Krankenzimmer, in dem man seine Wunde offenbaren kann.
* Dieser Vorgang des «Wundezeigens» ist wie eine Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit, und dabei erfährt man gleichzeitig Heilung.
* Ein Raum, in dem ein Ausnahmezustand herrscht, ein Ausnahmeraum, in dem wir...
Theater gibt es gar nicht, das Wort ist ein leerer Raum. Das Theater ist ein Ort, an welchem Menschen sich einfinden, um einer ritualisierten Handlung beizuwohnen. Eine Communitas sollte entstehen zwischen Publikum und Spielern, eine Gemeinschaft, die es nur im Theater geben kann und leider kaum je gibt heute. Da ich also an einem Ort arbeite, den es nicht gibt und...
