Christine Wahl: Am tiefen See

Viel Stoff für Bedeutungs-Detektive: Dieter Giesing und Stephan Kimmig forschen nach Simon Stephens’ «Wastwater» in Köln und Wien

Theater heute - Logo

Auf Podien und Symposien rufen junge, progressive Dramatiker ja gern mal nach so konservativen Altlasten wie inszenatorischer Werktreue. Umso erfreulicher, dass jetzt für alle, die sich mit dieser Forderung bis dato nicht durchsetzen konnten, Abhilfe in Sicht scheint: Vieles deutet darauf hin, dass Theaterautoren ihr Problem schlagartig los wären, wenn sie einfach Texte schrieben wie «Wastwater».

Schon dessen Uraufführung am Londoner Royal Court Theatre durch Katie Mitchell hatte Patricia Benecke vergangenes Jahr in «Theater heute» (Ausgabe 07/2011) als «ultranaturalistisch schlicht» beschrieben. Jetzt zogen Mitchells Kollegen Dieter Giesing und Stephan Kimmig – die Regisseure der deutschsprachigen Erstaufführung in Köln bzw. der Österreich-Premiere in Wien – mit einem Zugriff nach, den man «schlicht werk­treu» nennen könnte.

Simon Stephens’ «Wastwater» besteht aus drei Szenen, die jeweils am 25. Juni, Punkt 21 Uhr, bei justament versiegendem Starkregen einsetzen und im Umfeld des Londoner Flughafens Heathrow spielen. Jedesmal begegnen sich zwei Menschen in mehr oder weniger seelenstriptauglichen Situationen: In der ersten Szene verabschiedet sich Harry von seiner Pflegemutter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Pläne der Redaktion / Impressum

Und wieder ein neues Stück von Peter Handke, «Die schönen Tage von Aranjuez». Und so fängt es an: «Und wieder ein Sommer. Und wieder ein schöner Sommertag. Und wieder eine Frau und ein Mann an einem Tisch im Freien, unter dem Himmel.» Und wieder ein Bericht von Luc Bondys Urauführung in Wien.

Drei Jahre lang wird Heiner Goebbels die Ruhr Triennale gestalten. Was hat...

Neugier und Verzweiflung

Die Schnellsprechhysterie hat etwas nachge­lassen und auch der Punch beim Austeilen theoretischer Tiefschläge wirkt ein wenig gebremst. Bei seinem jüngsten Zwischenstopp an den Münchner Kammerspielen zeigt René Pollesch, der seit fast 15 Jahren Schauspieler und Zuschauer mit seinen diskursgesättigten Denkströmen in Atem hält, keinerlei Ermüdungs–erscheinungen, aber...

Pop Up!

Zunächst mal: Warm machen! Aus dem Orchestergraben tönen in unregelmäßigen Abständen die ersten Takte von Monteverdis «L’Orfeo» von 1607. Auf der Bühne häufelt ein glitter–geschmink­tes Girl im hautfarbenen Minikleid einen Kreis aus weißen Steinen auf, balanciert dabei auf schwindelerregenden Pumps, zumal, wenn sie sich ganz tief hinabbeugt und den Popo in Richtung...