Sandkastenspiele mit Seifenblasen
Ein Käsebrot ist ein Käsebrot ist ein Käsebrot ... mehr Kalorien- als Symbolgehalt, kein Requisit, von dem man sich auf dem Theater groß etwas erwarten würde, als dass sich ein Schauspieler im falschen Moment daran verschluckt. Doch manchmal kann ein Käsebrot eben auch mehr sein als krümelnder Proviant, den man gern im Gepäck vergisst. Anja Hillings neues Stück «Monsun», das viel von einem Drehbuch hat, beginnt mit einer langen Nahaufnahme in Form einer Regieanweisung: «Ein Käsebrot auf dem Tisch. Es liegt auf einer Plastikfolie. Sie sieht Kondensbläschen.
Sie sieht die Butter, die aus den Löchern im Teig quillt. Sie sieht, dass der Käse sich wellt am Rand.» Später stellt sich dann heraus, dass es sich hier um so etwas wie ein langsam verwesendes Memento mori handelt. Zippo, der achtjährige Sohn von Paula und Bruno, hat es absichtsvoll zu Hause liegen lassen, weil er sich stattdessen lieber Brezeln kauft, obwohl (oder weil) Mama doch so vehement dagegen ist. «Wenn du Brezeln kaufst, kannst du was erleben», hat Paula ihrem Sprössling noch nachgerufen, und jetzt ist das Käsebrot, das vor ihr auf dem Tisch liegt, das einzige, was von Zippo übrig geblieben ist. Als er am Kottbusser Tor ...
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Die Dramaturgie ist von klassischer Schönheit: Auf eine gemütliche Introduktion (Einführung der Protagonisten, Ensemblebildung, Problemexposition) folgen sukzessive Zuspitzung, erste Konflikte, Beschleunigung des Tempos bis zum Crescendo, Peripetie, schließlich Showdown und Resultat. Danach die Kritik.
Das Stück heißt: «Zehn Mal bemerkenswert!» Die Protagonisten,...
Wenn er langsam sein Maul öffnet, wird klar, dass der Fisch, den der Sushi-Meister gerade ohne Verletzung der inneren Organe kunstvoll filetiert, noch lebt. Selbst in Japan ist diese Art der Zubereitung und der quasi kannibalistische Akt des Verzehrs, den Malte Jaspersen in seinem Radiofeature «Sushi. Vom Erlebnis, in Japan essen zu gehen» (SFB 2001) beschreibt,...
Pilgern ist Pop in diesen Zeiten. Als der Papst kam, feierten im karnevalserprobten Köln katholische Jugendliche in unübersehbaren Massen unterm Kreuz ihre neu entdeckte Spiritualität, und es war nicht immer ganz klar, ob sie gerade «Helau» oder «Heiland» riefen: Pilgern ist zum Event verkommen, bei der der einsamen lieben Seele keine Ruhe mehr gelassen wird....
