Bochum: Wo bitte geht’s zum Untergang?
Hinter Stäben bald keine Welt mehr. Eine Lichtorgel- und Lichtstab-Installation kreist auf Volker Hintermeiers Drehbühne, in deren Mitte mächtig drohend ein angefressener, verkohlter Erdball den Verfall ankündigt. Es rumort und grollt von der Tonspur, als würden in weiter Ferne Züge rangiert.
Lars von Triers zweistündige Missa Solemnis vom Weltuntergang (2011) entspringt einem kranken Gehirn: dem von Justine, die, obwohl zauberhell, befangen ist in ihrem Seelendunkel. Eine Melancholikerin im Zeichen von Saturn.
Ihre Depression ist parallel geschaltet zu dem aus seiner Umlaufbahn geratenen Planeten «Melancholia», der hinter der Sonne zum Vorschein kommt, sich der Erde nähert – und mit ihr kollidiert. Der klinische Fall wird so zur globalen Katastrophe. Dass der Clash wunderschön anzusehen ist, gehört bei dem Filmemacher von Trier zum Grundmuster von Frau und Katastrophe. Sein Frauenbild war immer ähnlich fatal wie das von Richard Wagner, dessen «Tristan»-Vorspiel den soghaften Filmsound bereitstellt und dort manchmal klingt wie Bernard Herrmanns «Vertigo»-Musik für Hitchcock, dessen Geschichte auch von einer Untoten handelt. Wie Justine eine ist.
Im Schauspielhaus Bochum zieht ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Andreas Wilink
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