Trau keinem über vierzig
Als vor zehn Jahren das erste «100° Berlin»-Festival über die Bühnen des HAU und der Sophiensaele tobte, war alles Tohuwabohu. Ehrgeizige Theaterwissenschafts–studentInnen brannten darauf, vor Publikum ihr frisch erworbenes Wissen anzuwenden, hochmotivierte Dilettanten präsentierten ihre Passionsspiele, ergraute Szene-Hasen, denen nach Jahren der Förderhahn abgedreht worden war, packten noch einmal die Puppen aus. Studienräte für Deutsch und Englisch erfüllten sich vor der Pensionsgrenze den Traum, öffentlich einen Shakespeare-Totenkopf anzusprechen.
Jungchoreografen und Gießen-Abbrecher standen, ob mit ambitionierter Konzeptkunst oder brachialem Kabarett, zweifelsfrei kurz vor dem Durchbruch. Kurz: Das ganze Spektrum dessen, was sich unter dem breiten Begriffsschirm «Freie Szene» versammelt, wurde für ein Wochenende gleichberechtigt und nach dem Zufallsprinzip über die Spielstätten in Kreuzberg und Mitte verteilt.
Theater-Tombola
Inzwischen (und nicht erst seit diesem Jahr) ist aus diesem Sammelsurium – das für das Publikum einer Tombola mit reichlich Nieten und spärlichen Hauptgewinnen glich – das vielleicht spannendste Nachwuchsfestival im deutschsprachigen Raum geworden. Ein ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Magazin: Nachwuchs, Seite 71
von Eva Behrendt
Kevin Rittberger schreibt dem Schauspiel Frankfurt, dem Festival «Frankfurter Positionen», drei Schauspielern und vor allem Samuel Weiss als Regisseur ein Stück. Es dauert anderthalb Stunden. Hinterher schauen sich alle an: Was war denn jetzt das? Diskutieren dann aber doch sehr angeregt und fühlen sich offenbar bestens unterhalten.
Rittberger nennt «Kimberlit» «ein...
Mit der tiefen Ergriffenheit des genialischen Künstlers – vor allem von sich selbst – schwadroniert der Maler Schwarz eingangs über Beinschwung, Hüftlinie und weitere bewährte Vorzüge seines Modells Lulu. Natürlich zeigt er dabei beharrlich auf einen leeren Bilderrahmen. Lulu als von keines Gedankens Blässe anzukränkelnde Projektionsfläche: so weit die gängige...
Und plötzlich ist da eine, die leuchtet. Ein Stern. Kein Star, aber ein Stern. Ein Star hat diese Aura einer irgendwie absonderlichen Besonderheit, einen Tick, einen Spleen, eine Masche, die ihn sofort wiedererkennbar macht, ein Markenzeichen oder auch nur eine Marketing-Strategie. Ein Stern ist lauter. Nicht lauter im Sinn von mehr als laut, obwohl auch er sich...
