Aus heiterem Himmel
Videobilder in nebligen Grautönen, unscharf und verschwommen – beleuchtet von kaltem Neonlicht, aufgezeichnet von Überwachungskameras in Berliner U-Bahnhöfen. Es sind verstörende Bilder, die in den letzten Wochen wieder und wieder zu sehen waren. Bilder von Schlägen und Tritten gegen Kopf und Körper, von brutalen Übergriffen Jugendlicher auf harmlose Passanten. Als sich Gewalt derart prägnant sichtbar im öffentlichen Raum entfaltete, war die Schockwirkung immens.
Spektakuläre Fälle – und vor allem spektakuläre Bilder – erzeugen Gefühle von Bedrohung und werfen Fragen von Erziehung, Bildung, Integrationsproblemen, Justiz und Strafen auf. Wie immer in solchen Fällen haben Erklärungsversuche Konjunktur in den Medien. Dabei gehört es zu den Unbegreiflichkeiten dieser Angriffe, dass sie jeder kriminellen Logik zu entbehren scheinen. Habgier oder Neid, diese fassbaren Antriebe finden wir begreifbar, nicht aber Gewalt, die sich um ihrer selbst willen entlädt. Sogar der versuchte Diebstahl einer Geldbörse, der in Mord mündet, bleibt erklärbar. Wie Jugendliche aber ohne Grund, «aus heiterem Himmel», zu grausamen Schlägern werden, bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel.
Juri ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 172
von Carmen Wolfram
Ich soll nun schreiben «Ich habe eine Wut auf ...», bin aber das Gegenteil eines «angry old man» und denke so oft an mein momentanes Wohlergehen, dass ich dazu neige, solche «Wutgefühle» wegzupusten, auch um dadurch zu vergessen, zu verdrängen: Sie würden meiner übriggebliebenen Kreativität oder Lust auf Theater, Oper und Literatur im Wege stehen. Es halten mich...
Ich habe schon das Sekundärdrama erfunden, und jetzt erfinde ich meinetwegen auch noch das Parasitärdrama (man kann es auch Schmarotzerdrama nennen), nein, leider habe nicht ich es erfunden. Ich habe es nicht einmal bewußt gefunden. Ich bin auch schon einmal ein bißchen Abfall für alle gewesen, was absolut gestimmt hat, es war mir nur nicht eingefallen, auch nicht...
Wütend. Das ist ein Zustand, in den man oder frau gerät und sich dann darin befindet. Im Entstehen der Wut. «Da bin ich aber wütend geworden», erzählen wir und schauen so zustimmungsheischend um uns. Im Zustand des Wütend-Werdens fühlen wir uns berechtigt. Berechtigter. Der Vorgang des Wütend-Werdens erzählt uns selbst und denen, denen wir davon erzählen, davon,...
