Sprechen ist Silber
Der Ansturm hat nachgelassen. Zwar gibt es noch Sperrgitter vor dem Oberlandesgericht München in der Nymphenburger Straße, aber im Saal 101 bleiben inzwischen häufig Plätze frei. Seit Mai 2013 wird dort Beate Zschäpe, Überlebende der rechtsradikalen Zwickauer Terrorzelle, bekannt auch als Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), der Prozess gemacht.
Vorgeworfen wird ihr die Mittäterschaft bei zehn kaltblütigen rassistischen Morden an zugewanderten Mitbürgern, die von ihren beiden toten Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in einem Zeitraum von zwölf Jahren quer durch Deutschland verübt wurden. Ein Ende des Verfahrens ist nicht in Sicht. Die Zeugenbefragungen verlaufen schleppend, die meisten wollen sich an nichts erinnern. Und während die Hauptangeklagte eisern schweigt, ringt der Rechtsstaat nach schweren Ermittlungsfehlern und zweifelhaftem Einsatz des Verfassungsschutzes um die Rehabilitation seiner Glaubwürdigkeit.
Und seit Kurzem gibt es einen weiteren Schauplatz, der zur gedanklichen Durchdringung beitragen könnte: Nur wenige Kilometer entfernt im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele hat Johan Simons Elfriede Jelineks neuestes Stück, 224 Seiten Manuskript mit ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 11
von Silvia Stammen
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Ein intellektueller Überflieger ist Dan Glazers Ferdinand nicht, so wenig wie ein einfühlsamer Liebhaber. Wenn die ihrer Eltern beraubte Luise (Sidonie von Krosigk) starr vor Entsetzen über die Brutalität der Staatsgewalt dasitzt, ignoriert er das Trauma seiner Geliebten stumpf und leckt ihr stattdessen neckisch die Schulter. Und wenn ihm klar wird, dass Lady...
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