In Kunst verbannt
Wer immer schon genauer wissen wollte, wo das gottverlassenste Ende der Welt wartet, die schlimmste Strafe der Verbannung, der hat jetzt eine konkrete Adresse: die kahle Betonwand von Saal C der Berliner Schaubühne, knapp über Kellerniveau. Dort unten im nackten Halbrund des Bühnenbauchs ist Prometheus mit schweren Ketten angeschmiedet, dort stöhnt und dröhnt Ernst Stötzner die Leiden des ersten großen Zivilisationsschadens der Antike.
Prometheus, der unsterbliche Titan, muss seine Menschenfreundlichkeit bitter büßen.
Zum Dank dafür, dass er den geliebten Erdenbürgern Feuer und Zuversicht, Schrift und Heilkunst, Mathematik und Ackerbau – kurz: Kultur und Lebensart – beigebracht hat, wird er vom frisch auf den Götterthron gerückten Zeus böse abgestraft. Gerade noch hatte er dessen Putsch gegen Tyrannen-Vorgänger Kronos unterstützt, schon fällt er wegen Geheimnisverrat in Ungnade. In Aischylos’ Griechenhimmel herrschen Verhältnisse wie in jeder Bananendiktatur.
Regisseur Jossi Wieler lässt die Zuschauer von ihrem gepflegten Schaubühnengestühl tief in ein feuchtes Kellerverlies blicken. Aufrecht und unbeugsam darbt dort auf neckischem Sockel das Dulderstandbild, Stötzners ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schwer zu sagen, ob es sich bei dem virtuellen Star, der da hingebungsvoll über die Bühne der Kaserne Basel rockt, eher um eine Raubkopie von Robbie Williams oder um einen Michael-Jackson-Reinkarnationsversuch handelt. In jedem Fall ist der elastische junge Mann nicht umsonst mit dem entsprechenden Namen «Chris Crocker» gestraft: Das Regie-Trio Victor Moser, Elia...
Das neoliberale Unternehmen Hamburg hat ein Imageproblem. Gerade glaubte sich Hamburg noch weitgehend ungestört bei der Realisierung von Elbphilharmonie-Großvisionen und überhaupt ganz vorn in Sachen Stadtentwicklungstraum, da kommt seitens der zwangsmitentwickelten Stadtbevölkerung tatsächlich Protest «in die Gänge» und behauptet sein «Recht auf Stadt». Seit...
Fernsehen
Freitag, 1.
12.30, Theaterkanal: Butterfly Blues – von Henning Mankell, der auch Regie führte.
Aufzeichnung aus dem Schauspielhaus Graz 2003
19.00 Theaterkanal: Theaterlandschaften: Theater Magdeburg – vorgestellt von Esther Schweins – ein Film (2008) von Matthias Schmidt
19.30, Theaterkanal: Andreas Kriegenburg im Gespräch (vgl. auch die Seiten 11/12 in...
