Historisches Understatement
Im August letzten Jahres konnte der Bayerische Rundfunk mit einer kleinen Sensation aufwarten. Dort waren Bänder gefunden worden, auf denen Fritz Kortner Teile seiner 1959 veröffentlichten Autobiographie unmittelbar nach deren Erscheinen gelesen hatte. Fünf Stunden, von denen lediglich 40 Minuten damals gesendet wurden. Fünf Stunden, von denen so mancher von Kortner persönlich vorgetragener Satz die Zeitgenossen elektrisiert haben dürfte und mit dem scharfzüngigen Ton seiner Erinnerungen auch aufstörend gewirkt haben muss.
Warum diese Bänder in Vergessenheit gerieten, weiß heute niemand zu erklären. Das Buch «Aller Tage Abend» gehört zu den Klassikern seines Genres – als erzählte Theatergeschichte im Werdegang eines Schauspielers und später auch Regisseurs von der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg bis zur frühen Bundesrepublik, vom führenden Schauspieler der zwanziger Jahre über die schwierigen Jahre der Emigration in England und Amerika bis zur Rückkehr nach Deutschland, wo er das Vergegenwärtigen der Klassiker noch einmal anders begriff und so zu einem der wichtigsten Anreger des Regietheaters wurde.
Unter dem hohen Ton
Kortner hat nach dem Missbrauch der öffentlichen Rede im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In seinem mittlerweile legendären Aufsatz «Art and Objecthood» von 1967 stellt der Kunstkritiker Michael Fried dem Minimalismus eines Robert Morris oder Donald Judd ein vernichtendes Zeugnis aus. Sie verrieten, so Fried, nicht nur die Malerei und Skulptur, sondern die Kunst überhaupt ans Theater. Ihre Objekte suchten nach Bühnenpräsenz. Statt erfüllter Gegenwart...
In der Wiese gelegen, geraucht und geschaut. Am Seeufer, das Treiben der Gänse im Blick. Was für ein verführerischer Gedanke, dass dieses Idyll schon Wissenschaft sein könnte. Er sei von Natur aus ein fauler Mensch, gestand Konrad Lorenz in seinem bekanntesten Buch «Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen». Das ganze Geheimnis seiner Arbeit liege im...
Glauben könnte so schön sein. Wenn sich dieser Gott nur mal blicken ließe. Oder zumindest ein paar Wunder vorbeischickte. Und wenn bloß diese Menschen nicht wären. Erika hat’s wirklich schwer. Die junge Frau will glauben – in einer gottlosen Welt, in einer Welt voller Zweifler. Vom Himmelszelt des Hamburger Thalia Theaters (siehe TH 3/05) ist die Pilgerin in eine...
