Festival
Das Erste, was wir von diesem Festival sehen, ist ein Penis. Der gehört zu einem Darsteller hinter einer Papp-Wand, von dem nur der Schwanz in einer runden Aussparung zu erkennen ist. Ein Spot beleuchtet das Geschlecht, das sich zwischendurch aufrichtet und dann wieder erschlafft. An der Bühnenrampe steht zeitgleich ein junger Mann vor einem Mikrofon, mit dem Rücken zum Publikum. Sein Gesicht sehen wir nicht, wenn er die Geschichte eines jungen Spaniers erzählt, der in Madrid ein bürgerliches Leben mit seiner Freundin führt.
Der eigentlich alles hat, oft genug guten Sex, einen Job und Perspektive – und doch davon träumt, sich einmal von mehreren Personen «so richtig durchficken zu lassen».
Der Ausbruchstraum ist nur eine der Geschichten, mit denen Pablo Gisberts «Szenen für ein Gespräch nach dem Anschauen eines Films von Michael Haneke» die Verunsicherung der jungen Generation in Europa beschreiben will. Ausbruchsfantasien hinter der Fassade eines gut durchgeplanten Lebens sind das. Der junge Mann reist in der Erzählung hinter dem Rücken seiner Freundin heimlich nach Berlin. Und nimmt in den «intensivsten Stunden seines Lebens» an einer Orgie teil. Der echte Penis wippt im ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Alexander Kohlmann
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Der Wiener Theatermacher Christian Suchy passt in keine Genre-Schublade. Angefangen hat er vor 20 Jahren mit sehr eigensinnigen, autistisch-komischen Soloabenden zwischen Mime und Objekttheater, in denen er beispielsweise mit Obst, Gemüse und Küchengeräten ganze Shakespearetragödien nachspielte. Suchy erwarb sich den Ruf eines Geheimtipps, kam darüber aber nicht...
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