Don’t make me fertig
Wie viel Menschen direkt oder indirekt für den Coltan-Abbau im Osten des Kongos ihr Leben gelassen haben, weiß niemand genau. Unter nicht vorhandenen Sicherheitsbedingungen schürfen dort unter anderem Kinder nach dem seltenen Erz, ohne das kein Gerät unserer schönen neuen elektronischen Welt funktionieren würde. Minen stürzen ein, Bürgerkriege toben um den Zugang zu den Bodenschätzen.
Kein großes Thema für uns Dauertelefonierer und E-mail-Checker, ehrenwert also, ihm auf dem Theater Raum zu geben. Eigentlich.
Aus dem poetischen Raunen, mit dem Roland Schimmelpfennig das afrikanische Grauen und das westliche Achselzucken am Hamburger Schauspielhaus zusammenkomponiert, erfährt man allerdings so gut wie nichts über die verheerenden Fakten dieses Zusammenspiels. Es bleibt alles im allegorisch Vagen wie die Namen seiner Figuren: «Der Riese» ist der weiße Betreiber einer Mine im Nirgendwo, «die blinde Frau» verliert bei einem Grubenunglück ihren Mann («der Mann in der Grube») und weint Tag und Nacht ihre Klagegesänge um ihn, bis sich der Riese «unsterblich» in die Singende verliebt, die sich ihm hingibt, damit er ihren Mann ausgräbt. Mit seinen Händen, darunter machen es neo-mythische ...
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Theater heute Juli 2014
Rubrik: Chronik: Hamburg, Seite 52
von Barbara Burckhardt, Anja Sackarendt
Eine Fabrik, deren Produkt für den Energiehunger der Industrie unerlässlich ist, fliegt in die Luft. Arbeiter sterben. Der Betreiber ist erschüttert und will die Produktion einstellen. Aber von seinem Vorschlag, die auf sein Produkt angewiesene Industrie entsprechend umzurüsten, halten die Wirtschaftsbosse nichts: «Die Kosten wären Ruin!», empören sie sich.
Was aus...
Am Anfang steht die Katastrophe. Oder zumindest die imaginierte Katastrophe, das «Was wäre, wenn» eines zukünftigen Szenarios, in dem plötzlich alles anders ist und wir aus unserem Alltag und unserem gewohnten Verhalten herausgerissen werden. Stellen wir uns also die Katastrophe vor und wie wir uns verhalten würden, wo wir hingehen würden, wohin wir flüchten...
Ich glaube, Theater ist dann am besten, wenn eine Spannung zwischen Strukturen und dem dringenden Impuls besteht, Formen zu verändern und neu zu erfinden. Künstler arbeiten unter dieser Spannung am besten. Theaterabende funktionieren, wenn diese Spannung vorhanden ist. Ich glaube, sie verleiht jeder Einrichtung neue Energie und verhindert die Erstarrung zur...
