Das Gegen-Oktoberfest

Deutsches Theater als Weltkulturerbe? Dagegen hatte Martin Roeder in TH 10/13 deutlich argumentiert. Für den Deutschen Bühnenverein hingegen besteht keine Gefahr im Verzug wegen der deutschen Bewerbung. Eine Stellungnahme

Theater heute - Logo

Nun ist es so weit: Auf dem Tisch der Kultusminister hierzulande liegen sie, die Bewerbungen um das immaterielle Kulturerbe. Die Liste scheint lang zu sein, allein in Nordrhein-Westfalen gingen 21 Bewerbungen ein, auch die für die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft. Kaum hatte der Bühnenverein diese angekündigt, standen sie auch schon parat, diejenigen, die immer genau wissen, was dem Theater schadet und was nicht. Vor Inschutznahme der Strukturen, Musealisierung der Theater und Sicherung historischer Zustände wurde gewarnt.

Das scheint mir alles nicht gerade von Sachkenntnis getrübt. Deshalb mache ich einmal den Versuch, die Wissenslücken ein wenig zu schließen.

Für Bewerbungen solcher Art gibt es, wie sich das in Deutschland gehört, ein anständiges Formular. Da muss man angeben, was man will, und in einer vorgegebenen Anzahl von Zeichen detaillierte Darlegungen dazu machen. Der demnach genau zu bestimmende Inhalt der Bewerbung löste sogar im Bühnenverein Kontroversen aus, und das ist auch gut so. Es gab also diverse Sitzungen, Gespräche mit den Gutachtern, die das Vorhaben begleiten, wie etwa der renommierten Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte. Am Ende stand ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2014
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Rolf Bolwin

Weitere Beiträge
Das große Nicken

Das neue Gorki brummt. Jeder einzelne Abend sei ausverkauft, strahlt Chef­dramaturg Jens Hillje. Das Publikum ist um gefühlte zwanzig Jahre verjüngt. Nicht nur an diesem Abend, zweite Vorstellung von Falk Richters «Small Town Boy», mit dem das sehr gezielte Anpeilen von (riesengroßen) Randgruppen, die das Gorki unter Shermin Langhoffs Intendanz seit November...

Heillose Individualisten

Anton Tschechows «Onkel Wanja» und «Der Kirschgarten» erzählen bekanntlich von Idyllen, die keine mehr sind. Hoffnungen zerplatzen, aus Landgütern werden Grundstücke für Datschen. Von den kritischen Spitzen auf feudale Müßiggänger, aufkommenden Kapitalismus und die rücksichtslose Industriegesellschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts ist in Christopher Durangs...

Faszinierende Mechanik

Wie kann diese schöne Frau nur so kalt sein? Regina Giddens, geborene Hubbard, bei Nina Hoss eine schlanke und elegante Erscheinung in schlichten Etuikleidern, mit hochgestecktem Haar und lackierten Fingernägeln, sitzt ruhig und doch gespannt wie ein Flitzebogen auf der schwarzen Ledersofakante, während ihr herzkranker Gatte Horace (Thomas Bading) seine letzte...