Authentisch reales Rührei

Arne Sierens «Bistro Martino»

Theater heute - Logo

Es ist ja eine sympathische Idee, sechs Personen einfach so mitten aus dem Leben, sprich aus dem real existierenden «Bistro Martino» in Gent zu greifen und auf eine Bühne zu stellen, ohne den Anspruch, die Welt oder sonst etwas zu erklären, und ohne die sechs in eine komplizierte oder gar neben- oder hintersinnige Fabel zu zwängen. Der flämische Theatermacher Arne Sierens, der aus der Freien Szene kommt, nennt seine Spielvorlagen «physical scores», Körperpartituren, und dieser Philosophie zufolge ist nicht der Text wichtig, sondern allein seine physische Umsetzung auf der Bühne.

Sympathisch sind auch die Figuren mit ihren flagranten Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen, die zänkischen Geschwister Alex und Patricia, denen das Lokal gehört, der Koch Benito mit seinem pseudo-italienischen Akzent, der sentimentale Taxifahrer Willy und die Nachteulen Gaetan und Evelyne. Benito brät authentisch duftende Rühreier, Patricia möchte zu den Niagarafällen und probiert schon mal den Bikini an, Alex besucht auf dem Motorrad seinen Vater in Spanien, weil er das Lokal erben will, die coole Evelyne mit der Sonnenbrille möchte ihren verschwundenen Liebhaber wiederhaben oder sich mit dem Chauffeur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2005
Rubrik: Chronik, Seite 39
von Martin Krumbholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das letzte Einhorn

Erinnern und sich erinnern, das sind zwei Begriffe, aktiv und passiv, die ebenso schmerzhaft wie schön sein können, denn sie haben mit Zeit zu tun, Zeit, die vergangen ist, zwar nie verloren, sondern gewonnen aus Beschwörung und Mühe, und doch immer näher dem Ende zu, dem Tod, unser aller Tod, den jeder allein leisten muss, gleichgültig sein Rang, selbst sein...

Kindgerechte Märchenhaltung

Gab man bei Google Anfang 2005 die beiden Suchbegriffe «kindgerecht» und «Theater» ein, dann erhielt man als erstes Suchergebnis einen Gästebucheintrag vom Theater Bautzen mit folgendem Wortlaut: «Am letztem Sonntag besuchten ich und meine beiden Söhne die Familienvorstellung des angeblichen Weihnachtsmärchens ‹Der gestiefelte Kater›. Mit großem Entsetzen musste...

Fun ist ein Schaumbad

Vier Tage vor der Premiere sprach der ehemals wilde Mann ein zu Herzen gehendes Wort zum Sonntag. Der «fünffache Papa» Frank Castorf, lange nach eigenem Bekunden im «Tagesspiegel»-Gespräch ein «Rabenvater», erwähnte sein «wachsendes Bedürfnis, sich zu verändern». Hat er etwa deshalb jetzt sein erstes Märchen inszeniert und gar nicht, um den Autor Hans Christian...