Nichtwiedergutmachung
Nicht verjährt. Im November 2014 lief in den Kinos Giulio Ricciarellis «Im Labyrinth des Schweigens» an, der sich als deutscher Kandidat für die Vorauswahl der «Oscar»-Nominierungen qualifizieren konnte (s. TH 11.2014). Jetzt rückt ein zweiter Film nach, der ebenfalls den hessischen Generalstaatsanwalt der jungen Bundesrepublik, Fritz Bauer, zum Helden bestimmt. Beide Filme erzählen die gleiche Geschichte – sehr verschieden.
So, wie Lars Kraume in «Der Staat gegen Fritz Bauer» seine Hauptfigur einführt (mit dokumentarischem Schwarzweiß-Material einer Ansprache an die jungen Deutschen), ahnt man, dass der Mann es schwer nimmt, es schwer mit sich hat und wir es mit ihm auch nicht leicht haben werden. Sperrig, ungelenk, kein Sonntagsredner. Und kein glücklicher Mensch. Es folgt ein Stillleben mit einem Röhrchen Schlaftabletten und einem Glas Alkohol am Rand der Badewanne – Bauer wird gerettet. War es ein Suizid-Versuch? Kraume entwirft ein von Thriller-Elementen durchfunkeltes, dunkel gerändertes Bild dieses großen Deutschen, Juristen und Patrioten, der von den Nazis eingesperrt und nach Skandinavien vertrieben worden war und nach 1945 geschmäht, verleumdet, angefeindet, überwacht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Andreas Wilink
Aufs Liebevollste wurde das Gutshaus von den Werkstätten mit Patina versehen. Das pittoresk heruntergekommene Landhaus von Zsolt Khell mit fleckigen Gardinen, altem Kinderspielzeug und 60er-Jahre-Sesseln ist nur noch ein Symbol vergangener Erinnerungen, zu groß, sperrig und uneffizient für die Gegenwart – und so staubig, dass fast der Niesreiz in die Nase steigt.
K...
Woran denke ich, wenn ich mich heute an Bert erinnere? Ich sehe natürlich den Friedhof vor mir, in diesem kleinen Ort, wo er jetzt, neben seinem Sohn, begraben ist – was für ein tief trauriges Bild. Aber ich sehe ihn auch in München im Englischen Garten stehen mit seiner Familie, ich sehe uns beide auf der Pariser Opernbühne in einem unglaublichen Buh-Orkan, ich...
Im zwölften Jahrhundert wurde die traurige Geschichte von Tristan und Isolde von Dichtern in Frankreich, England und Deutschland erzählt. Mit ihren Motiven wurden Pokale und Bücher bemalt, Holzkästchen und Elfenbeintafeln beschnitzt. Es war ein höfisches Märchen, das die ehebrecherischen Eskapaden mit interessierter Distanz betrachtete. Die Romantik entdeckte das...
