Ratten, Mütter, Regisseure
Hauptmanns Dachboden in den «Ratten» hat einen doppelten Boden: den der sozialen Tragödie und den der ästhetischen Debatte. Das macht das Stück so attraktiv. Man kann barmende Mitleidsdramatik darin ebenso unterbringen wie deftige Selbstveralberung des Theaters. Volker Löschs Düsseldorfer Inszenierung potenziert diese Gespaltenheit des Stückes noch, weitet die Doppelbödigkeit aus zu einem Kaleidoskop von Theatermitteln und entkünstelt die soziale Anklage zur größtmöglichen Direktheit.
Es beginnt mit Theater-im-Theater-Klamauk: Regisseur Hassenreuter (Rainer Galke) schurigelt einen Schauspielerchor, der den Chor aus Schillers «Braut von Messina» im hohen Deklamationston zu sprechen versucht. Daneben steht seine Frau Therese Hassenreuter (Claudia Hübbecker) in einem monströsen Venus-von-Willendorf-Kostüm als Urmutter. Aus dieser Szene, die nur weit entfernte Anhaltspunkte in Hauptmanns «Ratten» hat, entwickelt Lösch den Konflikt, der ihn interessiert: zwischen dem Vertreter des konventionellen idealistischen Theaters, Hassenreuter, und dem Rebell gegen allen Ästhetizismus, Erich Spitta (Urs Peter Halter). Dieser aufmüpfige Eleve mit Schlingensief-Frisur sucht nun echte Düsseldorfer ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Chronik: Düsseldorf, Seite 54
von Gerhard Preußer
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