Vom Gebrauch des Menschen
In Christian Petzolds Filmen wird wenig gesprochen und viel gezeigt: Gesichtslose Stadt- und Landschaftsräume in Wolfsburg oder Jerichow, Durchgangsstationen einer unwirtlichen Moderne, durch die sich Menschen wie Zombies einer entfremdeten Gegenwart bewegen. Gespensterreiche, aufgeladen mit den sprechenden Requisiten einer gleichgeschalteten Konsumwelt. Im Deutschen Theater und bei seiner ersten Bühnenarbeit verzichtet Petzold auf jede konkrete Verortung.
Einen Vanilla Cube in perspektivischer Verjüngung hat er sich von Henrik Ahr bauen lassen, zart changierend ausgeleuchtet und abgeschlossen durch ein Bild des nächtlichen Berliner Urbankrankenhauses, auf dessen strukturelle Ähnlichkeit mit einer ernüchterten Böcklinschen Toteninsel ein Einlegebildchen im Programmheft nachdrücklich hinweist. Bei genauer Betrachtung erweist sich das Bild als Film, in dem in den nächsten zwei Stunden in Echtzeit fast unmerklich der Morgen graut, während Krähenschwärme lautlos über den Kanal vorm Spital flattern.
Eine Zentralperspektive ins Totenreich: genau der Blick, den die drei älteren Schnitzler-Alter-Egos auf ihrem einsamen Weg konsequent verweigern. Lieber starren sie wehmütig zurück, in ...
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Die Welt ihrer Eltern wollen die Kinder naturgemäß nicht. So geht es auch der fast volljährigen Judith und ihrem Bruder, dem Langzeitstudenten David. Ihre Eltern, eine Lehrerin und ein Redakteur, sind liberal, gebildet und verständnisvoll. Wenn es mal hart auf hart kommt, macht man halt ein Coaching oder geht in Therapie. Kein Wunder, dass sich beide Kinder bei so...
Rien ne va plus. Auf einem Flughafen, dem klassischen Nicht-Ort der Postmoderne, hat Tena Stivicic den Reisenotstand ausgerufen. Vermutlich ist die junge kroatische Autorin mit Wohnsitz in London und europäischer Karriere selbst Dauergast in Heathrow und all den anderen Passagierumschlagplätzen des Kontinents. Für ihr Stück «Funkenflug», das nach der Präsentation...
Nicht, dass wir die Vielfalt männlicher Ausdrucksformen bisher unterschätzt hätten: Hochfrequentiges Beckenkreisen, unterhaltsame Muskelspiele am Waschbrettbauch oder auch die Präsentation irisierender Boxershorts gehören zum gern gesehenen Basisrepertoire auf Theaterbühnen. Den Macho-Posen-Katalog für Fortgeschrittene allerdings, den Monika Gintersdorfer und Knut...
