Kassel: Die Liebe der Androiden
Was wissen wir von dem, was wir erfinden? Was wissen wir über Alexa und Siri, über Sex-Bots und Reborn-Babies, über Pygmalions Venus und Frankensteins Monster? Woher wissen wir, dass sie, mit denen wir so viele Affekte und Wünsche verbinden, denen wir uns so zeitintensiv und zugewandt widmen, selbst keine Gefühle haben, kein Bewusstsein? In seiner Uraufführung «Odem» am Staatstheater Kassel dreht der junge Autor und Regisseur Wilke Weermann (Jahrgang 1992) den Spieß um.
Denn seine Protagonisten sind drei Androiden, die durch eine romantische künstliche Welt wandeln, umgetrieben von Einsamkeit und Sehnsucht. So untergräbt «Odem» hartnäckig die Grenzen zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz.
Schwerer Nebel wabert am Boden, die Bühne ist eine zweidimensionale bildhafte Landschaft: Wie ausgeschnitten stehen rote Silhouetten kahler Bäume und schiefer Kreuze, dahinter die ebenfalls rote Ruine einer Abtei mit gotischen Tür- und Fensterbögen (Bühne und Kostüm: Josa Marx). Hier lebt eine Nonne mit drei Androiden, die sich anfangs wie Gespenster aus dem Nebel erheben, um mit kantigen Bewegungen Gartenarbeiten zu verrichten, während die Nonne (Lona Culmer-Schellbach) mit einem ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Esther Boldt
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