«Ich muss es rauslassen!»
Seit ein paar Jahren tauchen sie in den Inszenierungen von Rimini Protokoll auf: Menschen wie du und ich, ohne Schauspielausbildung und Mimenehrgeiz, mit einem mehr oder weniger interessanten Beruf und einer mehr oder weniger durchschnittlichen Vergangenheit, mit Hobbies, Krankheiten, Ehrenämtern.
Theaterkritiker, die diese Menschen als Laien bezeichneten, wurden von Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel stets höflich darauf hingewiesen, dass die Bezeichnung Experten auf diese Akteure viel besser passt, und das nicht allein, weil der Laie Defizite gegenüber dem Profi, der Experte dagegen Kompetenz signalisiert.
Sven-Joachim Otto hat in Rimini Protokolls «Wallenstein. Eine demokratische Inszenierung» als Experte für eine existenzielle oder zumindest lebensverändernde Erfahrung auf der Bühne gestanden. Genauer gesagt: für den «Wallenstein»-Moment, der dem damals 34-jährigen CDU-Politiker am 17. September 2004 widerfuhr. An diesem Tag endete mit einem Schlag die bis dahin recht steile Polit-Karriere des promovierten Juristen, der schon mit 29 Jahren für das Amt des Mannheimer Oberbürgermeisters kandidiert hatte und nur knapp am Sieg vorbeigeschlittert war. Seine ...
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Man kann’s ja mal versuchen. Als seine Kollegin Barbara (Nicole Averkamp) aus der Küchenabteilung erschöpft auf seinem Ausstellungsstück Platz nimmt, da preist der Bettenverkäufer Tibor (Jan Schreiber) ihr die Vorzüge der Matratze an. «Man muss ja nicht das ganze Bett nehmen.» Um sich gleich darauf zu entschuldigen: «Ich möchte nicht, dass du das falsch verstehst.»...
Liebe Kölner, bitte wegsehen!
Dieses Plakatmotiv zu Karin Beiers Eröffnungsinszenierung von «Die Niebelungen» darf in Köln nicht gezeigt werden. Die städtische Außenwerbung verweigerte die Hängung und bezeichnete das Plakat als «geschmacklos» und «gewaltverherrlichend». Das Büro des Oberbürgermeisters sowie Kulturdezernent Georg Quander sprachen zunächst eine...
Dass das Ich nichts Fixes ist, welche Berufsgruppe wüsste das besser als Schauspieler, die die Ichs ihrer Rollen stets aufs Neue konstruieren und dabei auch noch das private Ich als Konstrukt mit ins Spiel zu bringen haben. So hat Jan Bosse in seiner «Amphitryon»-Inszenierung am Maxim Gorki Theater Kleists Reflektion einer existenziellen Verunsicherung zum Anlass...
