Der Bezauberer
«Bondy hat sich etwas Jungenhaftes bewahrt.
Er ist wie ein ewiger Student.
Und er nimmt sich selbst nicht ernst.»
Michel Piccoli
Im luxuriösen, zugleich etwas hermetischen bundesrepublikanischen Theaterbetrieb der Achtziger gab es unter Eingeweihten und solchen, die dazugehören wollten, die Attitüde, sehr gängige Vornamen mit dem bestimmten Artikel zu versehen: der Peter, der Hans, die Elisabeth ... Das «der» klang dabei sehr klar – und war es nicht.
Denn der Peter konnte Stein oder Zadek oder Palitzsch sein, je nach Theaterfamilienzugehörigkeit; Hans etwa Neuenfels oder Lietzau oder Hollmann; Elisabeth entsprechend Trissenaar oder Schwarz oder Rath ... Der Luc aber war immer Luc Bondy. Und er gehörte zu keiner speziellen Familie – oder zu allen, denn fast alle liebten ihn, und er liebte viele. Eine Ausnahme-Erscheinung im Haifischbecken.
Nun ist Luc kein gängiger deutscher Vorname. Aber der Luc war auch kein «normaler» deutscher Regisseur, noch weniger als beispielsweise Zadek, der lebenslang seinen kauderwelschigen englischen Akzent im Deutschen kultivierte. Luc hatte von Kindheit an das Glück, ein Weltkind zu sein, ein Weltbürger später – und die Schattenseiten dieses Glücks ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Nachruf, Seite 4
von Michael Merschmeier
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