Auf produktiven Hass warten
Ich soll nun schreiben «Ich habe eine Wut auf ...», bin aber das Gegenteil eines «angry old man» und denke so oft an mein momentanes Wohlergehen, dass ich dazu neige, solche «Wutgefühle» wegzupusten, auch um dadurch zu vergessen, zu verdrängen: Sie würden meiner übriggebliebenen Kreativität oder Lust auf Theater, Oper und Literatur im Wege stehen.
Es halten mich mit Sicherheit einige für opportunistisch, weil ich als Festivaldirekor Projekte fördere, die ich von meinem Werdegang her eigentlich hassen müsste: Sie bringen meine dafür gehaltene Theatersicht unter die Erde!
Ich bin anders geflochten und glaube, dass die Dinge, die sich ändern, so sind, weil sie so sind und das Theater eine fragwürdige Angelegenheit ist, die sich grundsätzlich nur durch das Herandämmern eines neuen Dramatikers belebt. Da, wo es Hass geben könnte, ist Faulheit und neue Konventionalität – da, wo ich beobachte, dass Regisseure überall gleichzeitig sind. In jedem größeren Stadttheater tauchen dieselben Namen auf, von euch gekürte Namen, die jedes Jahr sechs bis sieben Stücke machen, rasch, gedankenlos, von TV-Kanälen inspiriert und wie verrückt unter Druck stehend – sagen Sie mir, welchen? Wir altern und ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Luc Bondy, Seite 17
von Luc Bondy
Uraufführungen
A
Frank Abt/Dirk Schneider Wenn die Sonne immer noch so schÖn scheint … (Theater Osnabrück) ·· Andcompany & Co. nach Schiller Der (kommende) Aufstand (Oldenburgisches Staatstheater) ··Sefi Atta Hagel auf Zamfara (Theater Krefeld/ Mönchengladbach)
B
Lukas Bärfuss ZwÖlftausend Seiten (Schauspielhaus Zürich) ·· Martin Baltscheit Die besseren...
Abwrackprämie und Autoboom, Lehman-Desaster und Griechenland-Krise, Wikileaks-Original und Guttenberg-Plagiat, Revolution in Arabien und Wutbürger in Stuttgart, Super-GAU in Fukushima und in der FDP, verseuchte Lebensmittel und verklärte Grüne, amerikanischer Staatsbankrott und chinesisches Wirtschaftswunder ...
Seit geraumer Zeit fliegen uns die Großereignisse nur...
Peter Handkes «Immer noch Sturm» ist kein Stück, kein Drama, kein Lesedrama, keine Prosa, sondern eine für das Theater gedachte szenische Erzählung. Der Sprache nachhören und sie dennoch szenisch zu vergegenwärtigen, sie ins Figurenspiel zu holen, ohne sie zu verkleinern, dem Theater zu seinem Recht zu verhelfen, ohne die Literatur zu zerstören, ein...
