Rückzug ins Private
Es gibt noch gute Nachrichten aus Ungarn. Erst vor wenigen Monaten eröffnete in einem ehemaligen Budapester Gymnasium das Ujirány-Inkubator-Haus. Ein Atelier- und Studiokomplex auf der Budaer Seite und praktisch ein Geschenk von der Budapester Stadtregierung an die freie Szene von Hiphop bis Tanz, denn die Mieten sind preiswert und die größeren Räume auch für Aufführungen geeignet. Auf der Ebene der Kulturpolitik ist das eine wichtige Geste nach den jahrelangen Streitereien um eine pauschal festzulegende Finanzierung der freien Szene.
Laut Theatergesetz müssen es 8 bis 10 Prozent des nationalen Theaterbudgets sein, was aber längst als Kannbestimmung aufgeweicht wurde mit der Folge, dass Auszahlungen oft spät im laufenden Jahr jenseits der Planbarkeit für die künstlerische Arbeit erfolgen.
Und doch zeigen Spitzentruppen wie die von Béla Pintér oder Kornel Mundruczós Proton immer wieder beachtliche Qualität, freilich zunehmend in internationalen Koproduktionen abgesichert, die der Budapester Szene zusätzlich zu großer Beachtung verhelfen. In dem von Andrea Tompa, Tamás Jászay und Bea Barda kuratierten Showcase machten diese Gruppen rund die Hälfte des Programms aus, worauf der neue ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2013
Rubrik: Magazin: Ausland Ungarn, Seite 69
von Thomas Irmer
Man muss genau hinschauen, wenn man der Kommunalpolitik ihren eigenen Heroismus ablesen will. Etwa so wie Rimini Protokoll anno 2005 in ihrer Schiller-Adaption «Wallenstein», in der sie den von eigenen Mannen gestürzten Stadtrat Dr. Sven Joachim Otto als Wiedergänger des kaiserlichen Generals vorstellten. Noch tiefer im lokalen Handgemenge erkennt man das...
Kevin Rittberger schreibt dem Schauspiel Frankfurt, dem Festival «Frankfurter Positionen», drei Schauspielern und vor allem Samuel Weiss als Regisseur ein Stück. Es dauert anderthalb Stunden. Hinterher schauen sich alle an: Was war denn jetzt das? Diskutieren dann aber doch sehr angeregt und fühlen sich offenbar bestens unterhalten.
Rittberger nennt «Kimberlit» «ein...
Moritz Rinke ist vor zwanzig Jahren mal in der postdramatischen Performanceschmiede Gießen ausgebildet worden und hat sich danach dem Gegenteil verschrieben: dem well-made Play, das er auch eine Zeitlang Studenten des Szenischen Schreibens am Literaturinstitut in Leipzig beigebracht hat.
Klassisches Theaterhandwerk – das gilt hierzulande nicht automatisch als...
