Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so
Der erste Tag in einer neuen Firma ist immer schwierig. Man weiß nicht, wem man vertrauen kann, man hat die firmeninternen Hierarchien noch nicht verinnerlicht, man fürchtet, in Intrigennetzwerke einzubrechen. Also stolpert man verunsichert durch den Arbeitstag, ständig in Angst, etwas falsch zu machen. Der erste Tag in der Hamburger Filiale von Söhne & Söhne beginnt damit, dass man zusammengefaltet wird, weil man eine halbe Stunde zu früh kommt. «Zu früh ist auch nicht pünktlich!» Schon zu Beginn ist man ins Fettnäpfchen getreten, und besser wird es auch nicht werden.
Signas «Söhne & Söhne» ist eine theatrale Installation im Auftrag des Hamburger Schauspielhauses nach dem typischen Muster des dänisch-österreichischen Horrorfabulierer-Künstlerpaars Signa und Arthur Köstler: Man nehme a) eine hinreichend abgerockte Örtlichkeit, in diesem Fall die ehemalige Gewerbeschule für Bauhandwerker, ein riesiger, verwinkelter Bau, der einem schon ohne Inszenierung jeden Lebensmut zu rauben im Stande ist. Die bemöble man mit b) Einrichtungsgegenständen, die schon seit mindestens 30 Jahren nicht mehr in Gebrauch sind und so eine Mischung aus Staub, Ekel und surrealer Patina mit sich bringen sowie ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Falk Schreiber
Katastrophen brechen den Menschen das Genick, und wer sie überlebt, der bricht mit menschlichen Werten. Krieg ist so eine Katastrophe. Oder «Das Erdbeben in Chili» von Kleist. Oder das Massaker in David Greigs Terror-Recherchestück «Die Ereignisse».
Das Zinzendorfhaus ist – wie die Stadt Basel seit dem Erdbeben von 1356 insgesamt – ein katastrophenfreier Ort. Hier...
Der freundliche Mann im Hawaiihemd, der mit hochgeschobener Sonnenbrille und Haifischzahnkette auf die von flotten US-Army-Musikern flankierte Varietébühne tritt, hebt mit säuselnder Stimme zu reden an. Ein eigentümliches Soundgemisch ergießt sich ins Publikum: einerseits Kuttners vertraut atemloses Berlinpalaver, andererseits sanft manipulativer Therapeutensprech,...
Das Erste, was wir von diesem Festival sehen, ist ein Penis. Der gehört zu einem Darsteller hinter einer Papp-Wand, von dem nur der Schwanz in einer runden Aussparung zu erkennen ist. Ein Spot beleuchtet das Geschlecht, das sich zwischendurch aufrichtet und dann wieder erschlafft. An der Bühnenrampe steht zeitgleich ein junger Mann vor einem Mikrofon, mit dem...
