Zwang zur Herrschaft

Auch «Manderlay», der zweite Teil von Lars von Triers Amerika-Trilogie, spielt mit V-Effekten und der US-Gesellschaft – ist aber nicht ganz so mathematisch evident

Theater heute - Logo

Dem V-Effekt war Lars von Trier schon immer zugeneigt. Der Dialektik und dem hintergründigen Moralisieren auch. Nach der vierten Folge seiner alptraumhaft-bizarren Krankenhaus-Fernsehserie «The Kingdom» (1994) erschien er im Smoking und mit Fliege auf dem Bildschirm und erklärte zuvorkommend: «Vielleicht sind Sie verunsichert durch das, was wir Ihnen gezeigt haben, aber Sie brauchen keine Angst zu haben. Wenn Sie Augen und Ohren immer offen halten, können wir Sie schon mit Theatertricks und ein paar Tropfen künstlichem Blut erschrecken.

Wenn Sie aber Ihr Gesicht von der Wirklichkeit abwenden, haben wir Sie gefangen. Hinter den geschlossenen Augen, da steckt das wahre Grauen.» 

Die Höllen, die man selber schafft oder zulässt. Der Einbezug der Zuschauer. Die Frage, wer hinschaut und wer sich abwendet. Die Einfachheit der Mittel. Und der allwissende Kontrollblick auf das Gezeigte, das nie seine Fiktionalität verbirgt. Dazu nimmermüdes Arbeiten an der Ästhetik, Lust am Verlautbaren (Dogma 95) und ein ausgeprägt soziales Bewusstsein. Dass der 49-jährige dänische Filmemacher irgendwann zu Brecht gegriffen hat, leuchtet ein. Aus der Rachefantasie der Spelunken-Jenny in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2005
Rubrik: Medien/TV, Seite 64
von Petra Kohse

Vergriffen
Weitere Beiträge
Von Neumannflasche bis Goebbelsschnauze

In «Lob der Blindheit», dem zentralen Text seines Buches «Rundfunk als Hörkunst», polemisierte der Film- und Radiotheoretiker Rudolf Arnheim schon 1936 gegen jenen «unausstehlichen Typ von Kunstgenießer», der ein Kunstwerk danach beurteilt, wie stark es seine «Fantasie» anrege. Man habe sich streng daran zu halten, was vom Künstler geboten werde, und keinesfalls...

Der König ist nackt

Mit Symbolfarben ist es so eine Sache. Drei Tage vor der deutschen Hauruck-Wahl, die anschließend in Macho-Gedröhn und rechthaberischem Patt versandete, konnte man beim Betreten des Zuschauerraums in Düsseldorf für einen Moment glauben, in eine Wahlveranstaltung für die Kanzlerkandidatin der CDU geraten zu sein: Orangenes Licht ergießt sich über den Zuschauerraum,...

Der Verleger

Erhard Friedrich war nicht nur ein erfolgreicher, er war auch ein leidenschaftlicher und immer wieder zu neuen Zeitschriftengründungen geneigter und verführbarer Verleger. Nicht immer hielt seine Risikobereitschaft die Waage mit der kühlen und penibel abwägenden Unternehmervernunft. Aber in entscheidenden Momenten kamen, und das erst macht den bedeutenden Verleger,...