Kein Entkommen
«Liquidation», erschienen 2003, der letzte der großen Romane von Imre Kertész, auch wenn er in der Buchausgabe nur 142 Seiten umfasst, enthält Teile eines Theaterstücks. Dieses Stück ist die wichtigste Hinterlassenschaft von B., einem «Schriftgelehrten», wie es einmal heißt, der sich im Jahr 1999 in Budapest das Leben genommen hat. Eigentlich aber ist das Stück nur ein Reflex auf den großen Roman, von dem der Protagonist Keserü, Lektor, vermutet, dass B. ihn geschrieben hat.
Dass er auf dieser Meinung beharrt, auch wenn er ihn nicht findet, macht die Hauptlinie der Handlung aus. Keserü behält letztendlich Recht, was wiederum nicht heißt, dass der Roman am Ende auftauchen würde.
Heikel an dem Theaterstück, das nur ein Ersatz des Romans ist (so wie der Roman, wenn man ihn denn hätte, nur ein Surrogat der Wirklichkeit wäre, so wie die Wirklichkeit nur ein Surrogat von ... ja von was? Von Auschwitz, sagt Kertész, sagt das Buch, sagt B.), ist nun folgendes: Es nimmt vorweg, was nach dem Selbstmord B.s geschieht – die Suche nach dem Roman, die Gespräche zwischen den Freunden und Geliebten. Das Stück ist der Beweis: Es gibt kein Entkommen. Und das ist der Beweis, dass das Leben immer ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Chronik Frankfurt, Seite 55
von Peter Michalzik
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