Das Rätsel Mensch
His highness is not well.» Das kann man laut sagen. In Justin Kurzels Verfilmung der Tragödie von Macbeth wird allerdings meistens geflüstert. Es ist, als wäre die Welt da draußen, dieses majestätisch unheimliche Schottland, hinter einem Spiegel, in dem sich die Figuren mit fröstelndem Erstaunen mustern.
Sind wir das, die all diese Dinge tun? Die immer neue Leichen produzieren, auf deren Augen dann Steine gelegt werden, damit sich die Lider nicht plötzlich noch einmal zu einem Vorwurf öffnen können?
Blasphemie und Sakrileg gedeihen im Schatten einer Religion, von der außer der einschüchternden Architektur himmelstrebender Gemäuer nichts deutlich wird. Wenn jemals der Begriff Heidenchristentum einen Sinn gemacht hat, dann in dieser Klassikeradaption, die mit aller Kraft wegstrebt von geläufigen Kategorien und in der es wenig Sinn machen würde, auf Gnade zu hoffen. Denn dazu bedürfte es ja erst einmal eines Subjekts in einem Sinn, der irgendwie einsichtig ist. Kurzel aber interessiert sich für diesen Macbeth, Thane of Glamis, und seine Lady als fremde Wesen, menschlich nur von Gestalt, tierisch auch nicht, denn die Pferde werden wenigstens noch unruhig, wenn sie ein Blutbad wittern. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2015
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Bert Rebhandl
Über die zehn Gebote ist im Grunde alles gesagt, seit Moses mit den Tontafeln vom Sinai stieg. «Du sollst nicht töten.» Klar formuliert, versteht jeder. «Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.» Auch klar formuliert. Aber die Menschen halten sich nicht dran. Daher ist eben doch nicht alles gesagt. Was das Schauspielhaus Zürich zu einem Saisonstart mit...
In Hamburg scheint an diesem späten Freitagnachmittag die Sonne. Vor dem Hauptbahnhof steht ein langgestrecktes weißes Zelt, davor ein Schild: «Wir nehmen KEINE Kleiderspenden entgegen.» Fröhliche junge Frauen in gelben Helferwesten machen Quatsch mit fröhlichen kleinen Kindern von dunkler Hautfarbe. Junge Männer tigern rauchend auf und ab. Von der Bank auf dem...
Theater heute 12/2015 erscheint am 1. Dezember
Impressum
Theather heute
Die Theaterzeitschrift
im 56. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Krämer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art...
