Auf dem Performance-Sprungbrett
Der Betonriegel im Stadtteil Holesovice sieht aus wie das Verwaltungsgebäude eines sozialistischen Energiekombinats. Wo ist denn die Nationalgalerie? Sie stehen davor! Hier ist jetzt die Prager Quadriennale eingezogen, elf Tage lang ab Mitte Juni Hauptquartier für die 61 Länderpavillons. Der unweit gelegene Jugendstil-Industriepalast, über Jahrzehnte das markenzeichenartige Ausstellungszentrum der PQ, ist vor drei Jahren abgebrannt, inzwischen aber wiederhergestellt.
Zu neuen Ufern
Dennoch war das für die neue künstlerische Direktorin Sodja Lotker ein wohl nicht unwillkommener Anlass, für die weltweit einzigartige Ausstellung nach anderen Räumen und einer neuen Bestimmung zu suchen – und dies dann gleich auch zum Thema zu machen. Vom Bühnenbild, der szenografischen Gestaltung insgesamt, wie es einmal der Ursprungsgedanke für diese 1967 gegründete Schau war, hin zur Erweiterung mit dem Begriff Performance und der Erkundung von unkonventionellen Räumen für alles, was heute als Performance gilt. Folglich gibt es auch eine eigene Architekturabteilung und natürlich die Bespielung der Stadt Prag als Geste, dass die Quadriennale nun die dokumentierte und immer schon auch plastisch ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Theater und Bildende Kunst, Seite 15
von Thomas Irmer
«Ein bleibendes Stück für die Theatergeschichte» möchte Peter Handke mit seiner im Jahr 1836 beginnenden Familiengeschichte «Immer noch Sturm» geschrieben haben. Und mindestens vier Stunden soll es dauern! Mal sehen, ob Dimiter Gotscheff diesen bescheidenen Wünschen bei seiner Uraufführung für die Salzburger Festspiele und das Hamburger Thalia Theater gerecht wird....
Die selbsternannten Freiheitskämpfer auf spanischen Plätzen oder am Stuttgarter Hauptbahnhof, nicht mehr zufriedenzustellen durch den Gang der Dinge unter den Bedingungen repräsentativer Demokratie, tragen dazu bei, dass Juli Zehs Revolten- und Aufruhr-Fantasie um das «Corpus Delicti» nicht mehr ganz so weit hergeholt wirkt wie bei der Uraufführung 2009. Vielleicht...
Zwischendrin sah es so aus, als wäre das Live-Art-Festival auf Kampnagel ein Zuschauer-Alptraum mit nur zwei Alternativen: entweder mitmachen oder Nackte ansehen. Da erhielt man als Gefangener einer Spielsituation den Auftrag, einem wildfremden Nachbarn mit beiden Händen würgend an den Hals zu fassen, sah einer vollständig unbekleideten Akteurin dabei zu, wie sie...
