Die kontrollierte Extremistin
Eva Behrendt Lassen Sie uns über die Möglichkeiten von Autorschaft als Schauspielerin sprechen! Als Sie Anfang der 1990er Jahre nach Berlin an die Ernst Busch Hochschule kamen – war damals davon schon die Rede?
Ursina Lardi Nein, in der Ausbildung war das kein Thema, und auch ich habe mir erst später Gedanken darüber gemacht. Vielleicht sprechen wir lieber gleich über konkrete Beispiele, da ich mich auch in der Arbeit vor allem mit konkreten Fragen beschäftige. Schließlich entscheiden die konkreten Lösungen darüber, wie gut ein Theaterabend wird.
In Milo Raus «Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs» etwa war ich bei allen Interviews dabei, die wir im Vorfeld mit NGO-Mitarbeitern geführt haben, sowohl hier als auch in Griechenland und im Kongo, teilweise habe ich sie auch alleine geführt. Milo hat auch mich interviewt ...
EB … weil Sie selbst vor Ihrem Studium Mitarbeiterin einer NGO waren?
Lardi Ja, ich war anderthalb Jahre für eine NGO in Bolivien, daher kenne ich diese Welt der «Hilfsindustrie» sehr gut. Auch von meinen Erfahrungen ist einiges in die Spielfassung eingeflossen, wenn auch so, dass der Ursprung nicht mehr kenntlich ist. Nach diesen Recherche-Phasen wurde ...
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Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Akteurin, Seite 31
von Eva Behrendt
Die Zukunft sieht wieder einmal nicht schön aus. Wenn es nach Jörn Klare geht, hat sich die Menschheit zwar einerseits restlos diskreditiert, weil sie im Kampf gegen die Klimakatastrophe versagt hat, andererseits war sie aber schlau – oder dumm? – genug, ziemlich effiziente Algorithmen zu entwickeln. Diese «Algos», so die kumpelhafte Bezeichnung für künstliche...
Die Jubiläumshymnen sind gesungen, der Sekt ist geflossen, das Konfetti nach der großen Gala auf der Berliner HAU2-Bühne zusammengefegt worden: Zeit, sich nach den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des vielleicht erfolgreichsten Gießener Performancekollektivs noch einmal in das zu diesem Anlass erschienene Buch zu vertiefen. «Sich selbst fremd werden»...
Das Theater kann auch in den schlimmsten und bedrohlichsten Stunden des Lebens für ein Durchatmen gut sein. Fritz streift in den letzten Kriegstagen 1945 durch das zerbombte Berlin, desillusioniert, eigentlich will er mit dem ganzen Schlamassel nichts mehr zu tun haben: nur weg hier, hinaus zu den Seen, wo sein Boot auf ihn wartet, das ihm Schutz und Unsichtbarkeit...
