Der Direktor
Michael Merschmeier Die Kinder-Frage zuerst: Was war die erste Aufführung, an die Sie sich heute noch erinnern?
Jürgen Schitthelm Das kann ich Ihnen ganz genau sagen. Ich bin ja im Ostteil Berlins
aufgewachsen. 1951 haben wir mit der Klasse im staatlichen «Theater der Freundschaft»
ein Stück gesehen – fragen Sie mich nicht nach dem Autor –, das «Schneeball» hieß. Das erzählte die Geschichte eines schwarzen Kindes Mitte des vorigen Jahrhunderts: Unterdrückung und Gräuel in den USA.
Die Aufführung war, wie damals üblich, sicher sehr gut besetzt, das Stück hatte wohl eindeutig Schwächen. Aber das Ganze hat mich emotional so gepackt, dass ich mir schwor: Ich will etwas mit Theater zu tun haben.
MM Damals waren Sie zwölf Jahre alt. Wie kam diese Ergriffenheit?
Schitthelm Ich habe ja selbst als Kind alle Schrecklichkeiten und Gräuel des Krieges erfahren. Wir hatten in Polen gelebt und waren erst Anfang 1945 nach Berlin zurückgekommen. Jetzt sah ich, dass es ähnliche Gräuel nicht nur im Krieg gab, sondern auch im Frieden und in einem Land, das für uns nach ’45 als der Hort der Zivilisation galt. Seit «Schnee-ball» bin ich, so oft es ging, in dieses und andere Theater gerannt.
MM Gab es noch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nicht, dass wir die Vielfalt männlicher Ausdrucksformen bisher unterschätzt hätten: Hochfrequentiges Beckenkreisen, unterhaltsame Muskelspiele am Waschbrettbauch oder auch die Präsentation irisierender Boxershorts gehören zum gern gesehenen Basisrepertoire auf Theaterbühnen. Den Macho-Posen-Katalog für Fortgeschrittene allerdings, den Monika Gintersdorfer und Knut...
TH Ist die Jury des Theatertreffens mit sich selbst zufrieden?
Wolfgang Höbel Es ist entschieden die beste aller möglichen Auswahlen.
TH Klingt nicht unbescheiden.
Höbel Die Jury ist eben total begeistert von ihrer Auswahl, und wir haben beschlossen, dass kein Blatt Papier zwischen uns passt. Totale Einigkeit nach innen und nach außen.
TH Der Weg führt vom Selbstlob...
1. Im Februar, als alles vorbei war, die zehn Aufführungen nominiert und publik gemacht, fuhr ich, schon für meine zweite Jury-Periode, nach Graz zum «König Lear» von Peter Konwitschny mit Udo Samel. Es kam, wie es kommen musste: Im Foyer lief ich dem Kollegen St. über den Weg, der an der Auswahl in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», wie in den letzten Jahren,...
