Bayern München!

... und bloß keine Gegenwartsdramatik, schwört die Gegenwartsdramatikerin Felicia Zeller

Theater heute - Logo

Aus der Theatervorstellung, die ich gestern besucht habe, bin ich aufs Seltsamste erfüllt von einem durch die Bewegungen und Nichtbewegungen, dem Sprechen und Nichtsprechen der Schauspieler in mich hineingepumpten Raumgefühl wieder hinausgewankt, so dass ich eben zum Beispiel erst gestern, nachdem ich einige Stunden mit diesem völlig neuen Raum- und Klanggefühl verworren ausweichend, neu getaktet in meinem U-Bahn-Schacht verschwunden bin, meine Gewichte in Gläsern, meine Gewichte in Füßen, behauptete, dass das Theater genau so, wie es ist, das ideale Theater sei.

Mein ideales Theater, sagte ich begeistert, als ich mit der U-Bahn vom Theater wegfuhr, ist einfach großartig, wenn es so großartig ist, wie gerade gestern, als ich auf Seltsamste erfüllt mit sich immer wieder neu in mir anordnenden Sätzen, die sich immer wieder neu aus der Theatervorstellung auffüllten, in die U-Bahn stieg. Schauspieler wurden zu Gedanken, die dort in ihrer entfernten Bühnenwelt eine völlig neue Schrift in unregelmäßigen Zügen, eine stundenlange Skulptur ver­änderte sich, machte Sinn, entzog sich wieder.

Was wir brauchen, sind große Inszenierungen auf großen, ja riesigen Bühnen, aufwändige Inszenierungen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 172
von Felicia Zeller

Weitere Beiträge
Ritual für alle und von allen

1. Wald
Wir haben zwar keine Zahlen zur Hand, aber durchaus ein gewisses Bewusstsein davon, was zu viel ist, was nicht sparsam ist auf einer Bühne. Und immer, wenn wir so etwas sehen, lehnen wir es instinktiv ab. Zum Beispiel neulich im Schauspiel Stuttgart den riesigen Wald, der über­raschend vom Bühnenboden heruntergelassen wurde – für gefühlte drei Minuten einer...

Was tun, wenn wir reich und frei sind?

Maria und Jesus Maria sind Zwillinge. Ihr Vater, ein Spanier, dem sie die Namen verdanken, hat ihre Mutter sitzen lassen und ist längst weg.
Ihre Mutter beginnt zu trinken, und bald wird sie auch von ihren Kindern verlassen. Maria und Jesus Maria landen in einem kuriosen Umfeld als Nach­barn von Madame Bonafide, einer transsexuellen Wahrsagerin, und dem alternden...

Reale Utopien

In letzter Zeit wird wieder verstärkt übers Theater gestritten, vor allem über seine Zukunft. Wie soll sie aussehen? Die Stadttheater bewahren? Eine zweite Säule aus Projektförderung daneben stellen? Mehr Produktionshäuser gründen? Und wie geht es überhaupt mit dem Ensemble- und Repertoirebetrieb weiter? Übernimmt der Apparat die Kunst? Das sind alles berechtigte...