Aufführungen
1929 war das ein veritabler Theaterskandal: In Erwin Piscators Volksbühnen-Uraufführungsinszenierung von Walter Mehrings «Kaufmann von Berlin», einer auch unter Juden spielenden Persiflage auf Inflationsgewinnler, warfen SA-Männer Stinkbomben. Aufruhr ist kaum zu erwarten, wenn Frank Castorf 80 Jahre später ebenda eine Neuauflage versucht.
Trotzdem eine löbliche Ausnahme unter den Dutzenden von Rumpelstilzchens, Pippis und Hotzenplotzen in der Vorweihnachtszeit, von denen wir nur Schorsch
Kameruns vermutlich nicht ganz so bambifreundlichen Blick auf Hans-Christian Andersens «Des Kaisers neue Kleider» in Köln erwähnen wollen.
Antike im Berliner Gorki («Homers «Ilias», inszeniert vom Ex-Bochumer Elmar Goerden) und in Dresden (Sophokles «Ödipus» von Hausregisseur Tilman Köhler), Klassik in Hamburg (Goethes «Götz» von Dusan David Parizek am Schauspielhaus, «Was ihr wollt» von Jan Bosse am Thalia).
Auch die Romandramatisierung, vor allem die von John von Düffel, ist noch immer gut im Rennen. Seine Tellkamp-«Turm»-Version ist in Potsdam und Wiesbaden zu sehen, «Gullivers Reisen» nach Swift in Weimar. Und in Leipzig begibt sich Hausherr Sebastian Hartmann höchstpersönlich auf Thomas ...
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Bernd NoackHerr Kusenberg, wir stehen hier in einem lichten Foyer, das über drei Stockwerke geht – wahrhaft großstädtische Ausmaße. Alles ist hell, weitläufig, einladend: kein Vergleich zum Muff von früher...
Klaus KusenbergJa, da stolperte man durch Pfützen, bevor man überhaupt ans Schauspielhaus kam, das wiederum schlecht beleuchtet war, man fand es kaum. Und man...
Amour fou im mittelalterlichen Spanien: Der erotisch wenig versierte, durch lange Ehe abenteuerlustig gewordene König Alfonso VIII. trifft auf ein unschuldiges und zugleich ganz schön kokettes Mädchen, die junge Jüdin Rahel. Obwohl der König eigentlich jede Menge zu tun hat – es droht Krieg gegen die Mauren –, zieht er sich mit ihr auf sein Lustschloss zurück. Als...
Koloniale Zustände!», schnaubt Mutter Karin gutgelaunt angesichts des selbstverständlich unterbezahlten und ausgebeuteten lettischen Au-pair-Mädchens Luize im Garten ihrer Tochter. Luize allerdings räkelt sich gerade im roten Bikini hingebungsvoll am Bio-Teich, vor der Nase Zizeks «Auf verlorenem Posten» aus dem Bücherregal ihres Gastvaters. Macht nichts: Karin...
