Ein idealer Gefährte

Christian Friedel nennt sich selbst ein «Milchgesicht». Das kam Michael Haneke für seinen Film «Das weiße Band» gerade recht. Sein Don Carlos in Roger Vontobels Dresdener Schiller-Inszenierung bringt ihn jetzt zum ersten Mal zum Theatertreffen nach Berlin. von Christian Rakow

Theater heute - Logo

Und dann, als sich die Applausordnung zerstreut und die Akteure hinter die Bühne strömen, ist sie noch einmal da, diese eigentümliche schwebende Bewegung. Wie ein Eiskunstläufer gleitet er die steile Showtreppe hinauf. Gelöst beinah. Nur der Oberkörper unter seinem braunen, etwas steifen Sakko, der will so gar nicht hoch. Der beugt sich leicht vor, die Arme abgespreizt, als trügen sie zwei Erste-Hilfe-Koffer vor sich her. So geht Schweben bei Christian Friedel: tänzerisch, aber ein bisschen geduckt.



Es ist die Dernière des Singspiels «Lulu» (nach Frank Wedekind und Alban Berg), das David Marton 2009 in Hannover herausbrachte (TH 3/2009), ehe es für einige Abende mit Intendant Wilfried Schulz ans neu formierte Dresdner Staatsschauspiel wanderte. Die Reunion des alten Hannoveraner Ensembles gibt so etwas wie ein Who-is-Who der aktuellen Newcomerszene: Lilith Stangenberg (Nachwuchsschauspielerin des Jahres 2010) ist eine von drei Lulu-Verkörperungen, eine kindfrauliche, die Sängerin Jelena Kuljic (TH 12/2010) eine andere, ungleich rauchigere.

Christian Friedel fällt als Dichter-Alter-Ego Alwa in diesem Weibsbilderpanoptikum die Rolle eines stets leicht abseits stehenden prekären ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2011
Rubrik: Best of … Theatertreffen, Seite 22
von Christian Rakow

Weitere Beiträge
Politik im Liegen

Warum kann man sich kein Musical vorstellen, das von Phil Collins handelt? Oder von Paul Mc­Cartney nach den Beatles? Von Nena gar? Das sind Fragen, die man sich auch noch stellen kann, wenn man drei Musiker-Musicals in loser Folge schaut, die im ersten Moment wenig eint. Außer der Tatsache, dass es nun auffallend viele Produktionen gibt, die Musikerbiografien...

Generation Ego-Shooter?

Etwas vom Äpfel-und-Birnen-Vergleich haf-tet dem Körber Studio Junge Regie in der Gaußstraße in Hamburg jedes Jahr an: Die Performance-Brutstätten Hildesheim und Gießen und beispielsweise das Salzburger Mozarteum mit seinem klassischen Schauspielbegriff liegen in ihrem Selbstverständnis auf denkbar weit entfernten Theaterplaneten – die sich dieses Jahr mehr denn je...

Für welche Ewigkeit?

Die Haltbarkeit von Tiefkühlkost ist länger als die von jedem neuen deutschen Stück. Das Schlemmer-Schellfisch-Filet oder der Delicatesse-Spinat-Gorgonzola-Auflauf, die man morgens im Supermarkt kauft, lassen sich noch genießen, wenn die Uraufführung vom Abend längst zum Archiveintrag verkommen sein wird. Selbst geistige Lebensmittel, die mit Preisen konserviert...