Versuche in Weltverbesserung
Es hätte so schön werden können, und so gut war es gemeint: Theater für die ganze Familie! Mit A-Schauspielern, einem A-Regisseur, einer A-Autorin! Musik! Ein Klassiker, 400 Jahre alt! Und eine frohe Botschaft: Lebe deine Träume! Die Weihnachtszeit ist ja auch nicht mehr fern, nur noch ein Vierteljahr, und in den Supermärkten liegen schon die Lebkuchen.
Dass sich Erfolge nicht programmieren lassen, dafür ist «Quixote in der Stadt», Dea Lohers und Andreas Kriegenburgs Gemeinschaftswerk für das Hamburger Thalia Theater mit dem Musiker Laurent Simonetti, ein betrübliches Beispiel.
Dea Loher hat Miguel Cervantes unsterbliche Traumrittergeschichte ins Heute verlegt und in die Stadt. Quixote ist ein Bücherwurm, der sich vor den Zumutungen und Banalitäten der Realität in seine Bibliothek verschanzt hat – Johanna Pfau hat Regale flächendeckend und himmelhoch auf den rampenabschließenden Prospekt malen lassen, darin nur ein winziger Ausschnitt als Bewegungsraum für den hageren, rot gekleideten Mann mit langem Haar und melancholischem Blick (Hans Löw, ein wahrhaftiger Ritter von der traurigen Gestalt), den seine Freundin (die wunderbare Natali Seelig, der es über drei lange Stunden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein «Sommernachtstraum» mit Puck als fieser Raupe, die erst zum Schmetterling werden muss. Gegenwärtige Stützen der Gesellschaft als ein versoffener, autistischer Haufen. Der bürgerliche Traum von der Vermählung der schönen Künste mit dem Kapital, wie er im wahrsten Sinne des Wortes ins Bodenlose rutscht. Ein moderner Ruhrpott-Simplicissimus, der durch Sex, Drugs...
Die Schauspiel-Legende Mia Farrow und der renommierte Regisseur und Dramatiker James Lapine hätten vielleicht wissen müssen, dass sie mit «Fran’s Bed», der temporeichen und glanzvoll ironischen Inszenierung über eine Komapatientin, die schläfrige New Yorker Theaterwelt nicht aus ihrem eigenen Koma reißen würden. Klassisches in Protokollpflicht des Dramas erwarten...
Schule der Hysterie
Das Scheitern künstlerischer Ehen ist nichts Ungewöhnliches, vor allem wenn sich die Partner nie besonders innig verstanden haben. Als vor fünf Jahren Thomas Ostermeier in die Schaubühne einzog und das Tanztheater von Sasha Waltz dazu stieß, ging es weder um künstlerische Genreüberschreitung noch um gemeinsame Projekte, sondern um eine...
