Versuche mit Brecht
Je finsterer die Zeiten, desto lichter wurde Brechts Schreiben. In der Frühphase der Weimarer Republik gab’s diese expressionistisch hochfahrende Antibürgerlichkeit mit «Baal», da schlugen Nietzsche und Marx wie zwei Herzen in der Brechtschen Brust hart gegeneinander. Es folgten vielstimmige Großstadtbegegnungen und die Reflexe auf den stalinistischen Terror in den Lehrstücken, ehe Brecht nach 1933 ins Exil floh und sich zum Klassiker des epischen Theaters vervollkommnete.
Aus dieser Zeit stammen die Gaunerparabel «Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui» und Brechts langjährige Beschäftigung mit dem «Leben des Galilei». Und der Schrecken, der die Stücke umgibt, wirkt seltsam abgefedert: Der humoreske Blick auf die Machtergreifung des NS-Regimes im «Arturo Ui» hat noch keine Kenntnis des Holocaust. Der «Galilei» weiß zwar um Hiroshima, nimmt die apokalyptische Drohung aber eher als vagen Horizont für die ethische Selbstbefragung der Wissenschaft, die das Stück ins Gewand des historischen Biopics einkleidet. In dieser Weise geläutert sind beide Werke Schulbuchklassiker geworden, und es braucht wohl einige Anstrengung, sie aus der Lehrplankonformität herauszureißen und sie dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Christian Rakow
Es war der Skandal der Autorentheatertage 2018 am ansonsten so gediegenen Deutschen Theater: Sebastian Hartmanns «Uraufführung» von Björn SC Deigners dokumentarisch grundiertem Prostitutionsstück «In Stanniolpapier», bei der das Wort Uraufführung im Programmheft durchgestrichen wurde, die Jury sich offiziell distanzierte und die Presse sich aufspaltete in rabiate...
Sie hören nicht wirklich zu, während sie kaugummikauend und viel zu schnell pseudoteilnahmsvoll «ah… ah… ah…» sagen. Sie rücken beim Bewerbungsgespräch so dicht an ihr Gegenüber heran, bis sich die Knie berühren. Sie sitzen entspannt auf dem Sofa, die Beine fallen locker nach außen, und wollen einfach ein bisschen Spaß. Vor allem aber taxieren sie ständig die...
Vierrädrige Blechkisten mit Eigenantrieb durch Verbrennungsmotor – sogenannte Autos – sind nicht nur mobile Freiheitsversprechen, Dreckschleudern, Statussymbole oder gar Anlässe zur Freude am Fahren. Das immer noch erfolgreiche Fortbewegungsmittel erweist sich auch als äußerst vielseitige Erzählhilfe, mit der sich einiges zusammenfügen lässt, was am tatsächlichen...
