Kleines Handbuch der Dialektik
Eva Behrendt Elisabeth Schwarz, was war für Sie 68?
Elisabeth Schwarz Bei den Proben zu «Ulrike Maria Stuart» habe ich gemerkt, dass es sehr schwierig ist, jüngeren Kollegen zu erklären, was diese Zeit eigentlich ausgemacht hat. Es war eine Zeit mit hoher Drehzahl, aber innerhalb dieser Geschwindigkeit auch mit sehr viel Leben. Die Mitbestimmung war extrem anstrengend. Es war ein Modell, in dem wir alles zusammen machten – dabei aber ein heterogenes Ensemble waren wie jedes andere auch.
Ich mochte diese Zeit sehr, sie war ungeheuer anregend, und ich habe viel gelernt.
EB Wie kam das Mitbestimmungsmodell zustande?
Schwarz Es hat angefangen mit der Revolte gegen ein Stück. In Stuttgart sollte 1970 ein Stück aus der englischen Off-Szene aufgeführt werden, «Mac Crune’s Guevara». Wir fanden es schrecklich, unglaublich oberflächlicher Käse. Etliche Schauspieler haben sich während der Proben auf die Hinterbeine gestellt und wollten es nicht spielen. Das war ein absolutes Novum, wurde aber von der Leitung – Peter Palitzsch – akzeptiert. In der Sommerpause wurden neu engagierte Schauspieler an unserer Stelle in dieses Stück gesteckt. Es war ein Superflop und wurde nach sechs Aufführungen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Kein Wort. Nichts. Ich weiß um meine Rechte. Und deshalb sage ich ohne meinen Anwalt gar nichts.» Die ersten Worte des bekannten Schauspielers Jan Friedberg zeigen: Etwas ist schief gegangen. In Thomas Jonigks neuem Stück «Donna Davison» dreht eine Regisseurin einen pornografischen Kunstfilm. Der Inhalt ist simpel: Ein berühmter Schauspieler und eine...
Wenn man Ulrich Matthes morgens nach dem Wetter fragt, hat er schon drei Zeitungen gelesen, berichtet Bernd Wilms.
Jens Harzer streicht nach jedem Satz über die Wirtshaustischplatte, als müsse er ein paar innere Wogen glätten, ohne dass man erfährt, woher der Wind weht. Hat Christopher Schmidt beobachtet.
Constanze Becker habe so eine Art Ur-Instinkt gegen jegliche...
Die Schneiderei, die Nebenspielstätte des Schauspielhauses, ist ein Raum mit vielen Fenstern zur Porzellangasse, in den durch die morsche Doppelverglasung der Lärm der Stadt dringt. Ewald Palmetshofer, der Hausautor des Schauspielhauses, sitzt hier, neuerdings täglich, um zu schreiben. Die Schneiderei, mit Hans Gratzers altem Schreibtisch aufgerüstet, ist sein...
