Es ist Tauwetter!
Europa liegt in Trümmern, zerbombt von Terroristen. Aus dem Radio ruft die «Stimme der Revolution» die im Westen angekommenen Tschechen nach «Bugulma», der vermeintlich letzten Bastion des Kommunismus. – Wer möchte, kann sich hier einen gesellschaftspessimistisch abgedrehten Science-Fiction vorstellen, aber Jachym Topols böse Satire «Die Reise nach Bugulma» ist weit mehr.
Der dritte Beitrag der Düsseldorfer Uraufführungsreihe «Das neue Europa – Warten auf die Barbaren» zeigt die Um- und Aufbruchssituation im Zuge der EU-Osterweiterung einmal spiegelverkehrt und versprüht dabei ganze Fontänen tiefschwarzen Humors.
Das zerbombte Europa bildet in dem erstem Theaterstück des tschechischen Autors ein futuristisches Zerrbild, das alsbald mit der sowjetischen Vergangenheit kollidiert, mit den schmachvollen und gern verschwiegenen Opfern der kommunistischen Diktatur, aber auch mit den Blütenträumen unverbesserlich schwelgender Altkommunisten: Vater Eman ist mit seiner Familie zwar in der EU angekommen, aber höchst unzufrieden. Denn mit der Abschaffung der Todesstrafe ist der ehemalige «Henker von Prag», der unter den Kommunisten gut zu tun hatte, arbeitslos geworden und fühlt sich als ...
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Natalie Bloch In Ihrem Stück «Die Reise nach Bugulma» machen sich die tschechischen Protagonisten aus dem von Terroristen zerbombten Europa auf den Weg zurück in den Osten, folgen der vermeintlichen Stimme der Revolution und landen in einem ehemaligen kommunistischen Lager. Dort ist Tauwetter, und Berge von Leichen tauchen aus dem Eis auf. Das sind ja optimistische...
Der achtzigjährige Besson war immer noch jung: der wilde Lockenkopf grauweiß, unter den emporgesträubten, dicken Augenbrauen funkelten die Augen, die Nase kräftig, die dicke Unterlippe hängend. Nur die Falten von den Nasenflügeln abwärts noch tiefer eingekerbt als früher. Ein clownischer Charakterkopf. Die über viele Register gebietende Stimme immer noch mit...
So richtig politisch korrekt sieht diese Freitag-Skulptur ja nicht gerade aus. Der aus dem Jugendbuchklassiker «Robinson Crusoe» bekannte Ex-Kannibale, dem der Bühnenbildner Marc Warning auf der Bühne der Münchner Kammerspiele ein raumfüllendes Denkmal setzt, ist dem einsamen Urvieh King Kong wie aus dem Gesicht geschnitten: dieselben traurigen Hängeschultern,...
