Sich kennen, mögen, verachten und schätzen
Am Ende können sie froh sein, wenn sie als Toastbrot über die Bühne stolpern dürfen: Die sechs Schauspieler in Roland Schimmelpfennigs «Reich der Tiere» haben wenig erhebende Berufsperspektiven. Eben noch gequälte Routiniers in einem musicalartigen Disneyverschnitt à la «König der Löwen», und nach sechs Jahren anonymer Dienstleistungsdarstellerei, versteckt unter Masken, demnächst wahrscheinlich arbeitslos – wenn sie nicht eine neue Chance bekommen im Nachfolgekassenquäler «Der Garten der Dinge»: als Ketchupflasche beispielsweise.
Schimmelpfennigs Ausflug in die ehrwürdigen Gefilde der Backstage-Comedy am untersten Ende der Bühnenkunstleiter lässt alle Unterhaltungschancen des Genres vorsätzlich ungenutzt, und die unvermeidlichen Restpointen werden von Regisseur Jürgen Gosch im Deutschen Theater lässig unterspielt. Stattdessen findet sich der Zuschauer über drei zum Teil quälend lange Stunden als MiterlebensVoyeur in den Umkleide-Elendsquartieren einer Fließband-Bühnenshow. Kein erniedrigendes Ganzkörperschminkritual, keine trostlose Garderobenintrige, kein ausführlich abgerissener Zehennagel bleiben unausgespielt. Doch spätestens wenn Wolfgang Michael, mehr gerupftes Huhn als ...
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Ich muss Frank Kroll Recht geben – mit einer Ausnahme: der waghalsigen «These», Autoren subventionierten Theater. Ein Stückauftrag wird üblicherweise mit ca. 7.500 Euro plus Tantiemen bei garantierter Vorstellungszahl entlohnt; ich überlasse jedem nachzurechnen, wie lange sie oder er bei welcher Wochenstundenzahl dafür arbeiten muss.
Ansonsten hat er Recht: Die...
MAN KANN EINEM MENSCHEN NICHT VON MORGENS BIS ABENDS SAGEN WIE ENTTÄUSCHT MAN VON IHM IST DAS HÄLT KEINER AUS.» Das gilt für Menschen wie für ganze Landstriche, den östlichen Teil Deutschlands zumal. Wo dauernd von Scheitern die Rede ist, wird das Ringen um Würde und Selbstbehauptung zur Existenzfrage. Fritz Kater, seit geraumer Zeit der erste Chronist des...
Es gibt im Leben mitunter merkwürdige Zeitschleifen. Zum Abschluss des ersten (und bisher einzigen) Kongresses der Theaterautoren 1991 in Essen wurde seinerzeit ein Forderungskatalog veröffentlicht, der neben einer Klassikerabgabe zugunsten zeitgenössischer Autoren auch die seltenen «Nachspiele» einmal uraufgeführter Werke beklagte sowie die Nischenexistenz der...
